Ach ja, mal in einem Studentenwohnheim zu leben, das ist schon eine Erfahrung. Doch ganz besonders verhält es sich mit unserem. Kaltes Wasser und funktionsuntüchtige Heizungen im Winter? Das war erst der Anfang. Dass der Aufzug beim Runterfahren zwei oder drei Mal stecken bleibt, ist schon nichts besonderes mehr. Dass eine Glühbirne kaputt geht, passiert schon mal. Dass die zweite Deckenlampe ein paar Wochen später auch kaputt geht, die erste allerdings noch nicht repariert wurde und man nun seit mehreren Tagen mit einer Schreibtischlampe leben muss - sollte nicht unbedingt passieren, tut es aber manchmal doch. Was aber nicht passieren sollte, ist Folgendes: Der Dame im Sekretariat Bescheid geben und sich auf ihre Aussage "Ich kümmer mich drum, ihr braucht euch keine Sorgen zu machen!" verlassen. Sie teilte uns gestern mit, dass der Sicherheitsmann noch am gleichen Tag die Glühbirnen auswechseln würde. Dieser wiederum sagte mir abends um neun, als ich ihn am Eingangsbereich in seinem Kabuff ansprach, dass er von all dem nichts wisse und er gar nicht befugt sei, unsere Zimmer zu betreten, um irgendwelche Sachen auszutauschen. Auch meine typische Hundeblick-Taktik blieb diesmal leider erfolglos. Das einzige, was ich damit erreichte, war, dass er mir mit den Worten "Don't forget to turn off the lamp
, before you change it..." (Ja, danke für den wertvollen Hinweis, ich bin vielleicht blond, aber nicht blöd!) eine Glühbirne in die Hand drückte.
Zurück im Zimmer musste ich feststellen, dass ich leider trotz Stuhles nicht einmal in die Nähe der Glühbirne kam, und so überließ ich meiner Zimmergenossin die ehrenvolle Aufgabe, uns wieder zu erleuchten. Nachdem sie meiner Aussage, dass man eine Glühbirne gegen den Uhrzeigersinn ausdrehe, nach minutenlangem Drehen in die falsche Richtung dann endlich glauben schenkte und die neue Birne schließlich dort saß, wo sie sitzen sollte, die Enttäuschung: kein Licht.
These: Der Strom in unserem Wohnheim ist bösartig. Oder einfach nicht genormt und kommt viel zu stark aus der Leitung. Warum ich das denke? Beide Deckenlampen sind kaputt und es liegt nicht an der Glühbirne. Mein Handyakku hält seit ein paar Wochen vielleicht noch zwei Tage durch, mein Laptop wurde gegrillt und manchmal kann man nicht einmal drei elektrische Geräte anschalten, ohne, dass im gesamten Stockwerk die Sicherung fliegt. Und jetzt sagt mir bitte noch einmal jemand, dass das alles nicht mit dem Strom zusammenhängt.
Wo wir schon mal beim Thema Strom wären: Gestern fiel im gesamten Block der Strom aus. Drei Mädels wurden im Aufzug eingeschlossen (das Horrorerlebnis überhaupt, ich weiß, warum ich Aufzüge nicht mag) und Sigrida und ich konnten uns das Lachen fast nicht verkneifen, denn: scheiß drauf, mein Laptop und beide Deckenlampen funktionieren ja eh nicht mehr.
Kommen wir zur Lektion "Überlebenstraining für Austauschstudierende": Alternative Kochmethoden.
Schon mal eine Küche gesehen, die von Bewohnern aus sechs(!) Stockwerken benutzt wird? Nein? Gut, dann hofft, dass ihr es nie sehen werdet. Ich bin ja nun wirklich kein Küchenmensch. Mein Abwasch steht schon mal ne Woche in der Küche rum. Aber wenn jemand in einer Gemeinschaftsküche, ja, ich betone Gemeinschaftsküche, einen Topf benutzt, ihn aber inklusive seiner am Boden festgebackenen Nudeln einfach in der Spüle stehen lässt (ohne Wasser zum Aufweichen, versteht sich), dann ist das dreist. Und ich will gar nicht wissen, wie viele Schadstoffe ich schon zu mir genommen habe, weil von der Antihaftbeschichtung in der Pfanne nicht mehr viel übrig ist, denn jeder wendet sein Essen mit Gabeln (inzwischen hat die ex-antihaftbeschichtete Pfanne den gegenteiligen Effekt. Wenn man nicht ununterbrochen wendet, erhält man einen unförmigen Klumpen, den man niemals mehr vom Pfannenboden losbekommt). Nun ja, Not macht ja bekanntlich erfinderisch und so kamen wir auf die grandiose Idee, in meinem Suppenteller Wasser mit Sigridas genialen mobilen Wasserkocher (einer kleinen Heizspirale, ideal, um Wasser für einen Tee oder Kaffee direkt in der Tasse zu erhitzen) zum Kochen zu bringen und dort unsere Eier zu kochen. Ja, es sah schon komisch aus, wie wir da beide, jeder auf seinem Bett sitzend und mit gerunzelter Stirn, nicht ganz überzeugt von unserem Experiment, den Boden unter uns betrachteten, auf dem ein Suppenteller mit zwei einsamen Eiern im kochendem Wasser stand.... Aber: sie waren perfekt hartgekocht und schmeckten auch wie ganz normale Eier. Mission geglückt, alternative Kochmethode mit "sehr gut" ausgezeichnet! Und ganz nebenbei - Spaß hat's auch gemacht ;-)
Bis auf die Abenteuer, in die wir uns hier im Wohnheim jeden Tag aufs Neue stürzen, pendelt sich hier gerade alles ein. Meine Kurse sind nach wie vor toll und da hält man auch gerne mal Vorträge oder sitzt den ganzen Abend mit zwei Ausgaben des exakt gleichen Textes – einmal in deutscher, einmal in griechischer Version – auf dem Bett, vergleicht Satz für Satz und erweitert sein Vokabular.
Und auch, wenn auf der einen Seite wieder mal alles schief läuft – wirklich ernst meine ich den Satz "Man, ich hab die Schnauze voll, ich will hier weg!" nicht mehr. Und ich weiß auch, warum.
...Weil es für mich der größte Luxus ist, tags und nachts und immer an der Promenade entlang zu laufen, das Meer von meinem Zimmerfenster aus zu sehen und morgens, wenn ich das Wohnheim verlasse, die See rieche.
...Weil ich immer noch überwältigt davon bin, an einer Uni zu studieren, von der aus man aufs Meer schauen kann.
...Weil alte Herren um die 75 nicht zu Hause, sondern im Café sitzen, über Fußball debattieren oder sich im Park um eine Bank scharen und miteinander Backgammon spielen.
Ja, Thessaloniki ist groß, laut, oft sehr dreckig und chaotisch. Aber ich liebe es. Weil es so anders ist, weil es so aufregend ist, weil es eine Stadt ist, die niemals schläft. Und weil man in dieser Stadt so viele kleine Dinge entdecken kann, die einen vollkommen versauten Tag doch wieder schön machen. Und das schönste ist: Der Frühling ist da, wie man auf den Fotos unschwer erkennen kann. Sie stammen von einem Spaziergang in den Wäldern um Thessaloniki. Meine Mitbewohnerin und ich konnten von dort aus den wunderschönen Ausblick auf die Bucht genießen. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, alles wird grün und nur noch zwei Unitage, dann fangen hier die Osterferien an. Und dann wird es Zeit, die Umgebung von Thessaloniki und Chalkidiki, das griechische Paradies, endlich einmal näher kennenzulernen und vielleicht auch der Insel Korfu einen Besuch abzustatten...

Hallo Katha .... glaube einem alten lebenserfahrenen Mann: glatte Biographien sind LANGWEILIG .... solche Dinge müssen passieren!!!
AntwortenLöschenalles Gute nach Thessaloniki aus der Heimat ...
ääääh ... das ist auch so ein Thema ... Elvis hat Noten dazu gemacht: Home is where my Heart is!
Fritz
Ohh, ich bin so neidisch! Die Fotos sehen paradiesisch aus und hier schneit (!) es heute wieder, nachdem die letzte Woche endlich der Fruehling gekommen zu sein schien.
AntwortenLöschenUnd ja, ich mag die alten Menschen auf den Plätzen und Backgammon auch gerne, wieso gibt es das bei uns nicht? Da werden die Alten irgendwie in nicht-sichtbare Winkel geschoben.
- Matthea