Mittwoch, 31. März 2010

"It's just a yellow lemontree..."

Zurück aus Korfu und das Fazit ist dasselbe wie immer: unglaublich, wenn auch wieder einmal nicht alles so gelaufen ist wie geplant! Aber gut, vielleicht war es diesmal auch ein wenig unsere Schuld, denn dieser Ausflug war ein sehr spontanes Ding. Eigentlich wollten wir letzten Donnerstag nur zur Busstation fahren, um uns nach den Abfahrtszeiten und den Preisen zu erkundigen - zurück kamen wir mit Bus- und Fährtickets für Freitag. Die Reise zu einer der schönsten Inseln Griechenlands kostete uns schlappe 30 €. Und so blieb uns gerade noch ein halber Tag, um die angebrochenen Osterferien zu genießen und ein wenig Kraft für unseren Miniurlaub zu sammeln.
Dieser Donnerstag war in Griechenland übrigens ein ganz besonderer: es war der 25. März - der Tag, an dem im Jahre 1821 die griechische Revolution begann. Sie dauerte neun Jahre und endete mit dem Sieg der Griechen über die Osmanen und der Unabhängigkeit Griechenlands im Jahre 1829. Dieser Tag wird hier in Griechenland also verständlicher Weise groß gefeiert. Die Geschäfte haben geschlossen, überall wehen griechische Flaggen - aus den Autos, von den Balkonen - und da das Wetter an diesem Tag auch noch mitspielte, fand man halb Thessaloniki auf der Promenade, auf der man Straßenkünstlern zuschauen, Zuckerwatte, Popcorn und Luftballons kaufen konnte.

Donnerstagabend wurde noch schnell das Hostelzimmer online reserviert und Freitagmorgen ging es dann endlich los. Vollgepackt ging es erst zur zentralen Busstation, dann in vier Stunden Fahrt in die Hafenstadt Igoumentitsa und von dort nach einer kleinen Verschnaufpause für 1 1/2 Stunden auf die Fähre. Schon auf der Fähre war es sonnig und warm und wir warteten voller Vorfreude darauf, dass das Schiff anlegte und wir endlich die Insel erkunden konnten - ganz nebenbei bemerkt, es war mein erster Inselbesuch ;-)
Endlich in Korfu City angekommen, versuchten wir herauszukriegen, wo wir unser Hostel finden konnten. An der Busstation erfuhren wir, dass es auf der anderen Seite der Insel lag und wir noch über zwei Stunden auf den Bus hätten warten müssen. Es war schon relativ spät, wir wussten nicht genau, wo wir hinmussten und so beschlossen wir, uns den Luxus eines Taxis zu gönnen. Der Taxifahrer kutschierte uns also über halb Korfu, wir waren begeistert von der grünen Insel, die ihren Namen wirklich zu Recht trägt. Sie ist übersät von bewaldeten Hügeln, und Zypressen stießen wie Stacheln aus dem Blätterdach der Laubbäume hervor. Palmen, Orangen- und, zu meiner größten Freude, denn ich hatte noch nie welche gesehen, auch Zitronenbäume säumten die Wege und wir genossen die Slalomfahrt durch die Hügellandschaft, die in einem unbezahlbaren Ausblick auf das weite, glitzernde Mittelmeer ihren Höhepunkt fand.
Wir wurden nahe des Strandes abgeladen und machten uns zu Fuß auf die Suche nach unserem Hostel. Wir fanden das Gebäude, sahen den Pool und mussten leider feststellen, dass das gesamte Hostel geschlossen war. Die Zugangstore waren mit Schlössern versperrt, keine Menschenseele dort, niemand, den wir hätten fragen können. Das ganze Gebiet voller Tavernen, Bars, Shops - alles war geschlossen. Wir waren wohl einfach zur falschen Zeit dort. Oder gerade zur richtigen, denn so konnten wir Korfu ohne Touristenauflauf erleben. Doch zuerst mussten wir uns um eine Unterkunft kümmern, denn nun saßen wir in einem Dorf ohne geöffnete Geschäfte und Hostels fest, irgendwo 20 Kilometer von Korfu Stadt entfernt.
Doch zum Glück gab es den Pink Palace. Schon auf dem Weg im Taxi fiel uns dieser Gebäudekomplex auf. Riesig. Und Rosa. Komplett. Als ich dieses monströse pinke Etwas sah, sagte ich scherzhaft zu Nicolle und Sigrida, dass ich in einem solchen Hostel niemals schlafen könnte - das ganze Rosa würde mich ja vollkommen aggressiv machen. Wenn ich da schon geahnt hätte...
Es war also unsere letzte Möglichkeit. Und tatsächlich, der Pink Palace war geöffnet und sogar bewohnt. Ein paar Backpacker aus aller Herren Länder - Australien, den USA, Ecuador - trafen wir später auch beim Abendessen. Und dieses war bitter nötig, nachdem wir auf nüchternen Magen den Preis für die Übernachtung erfahren hatten. 25 € pro Person und wir hatten uns auf 11,50 € pro Nacht eingestellt. Positiv anzumerken sei jedoch, dass Abendessen und Frühstück im Preis inbegriffen waren und die Dusche auf dem Zimmer sogar eine Kabine mit Tür besaß - ich wäre ja schon mit einem einfachen Duschvorhang zufrieden gewesen, denn im ganzen Badezimmer zu duschen scheint in Griechenland Gang und Gäbe zu sein.
Was gibt es über den Pink Palace noch zu sagen, außer dass er groß, luxuriös und eben wahnsinnig pink ist? Nun, er gehört zu den Worlds Best Hostels und man muss sagen, dass er das ganz sicher nicht ohne Grund ist. Auch wenn mir - ich hab ja auch meine Würde - das Ganze wirklich etwas zu pink war. Nicht nur die Gebäude waren rosa, nein! Auch große Teile der Zimmer, der gesamte Weg zum hosteleigenen Minirestaurant, ein überdachter Treppengang, war komplett rosa und mit kleinen Lämpchen erhellt. Ach, und selbst der welcome drink, ein Ouzo, war mit irgendetwas rosa eingefärbt. Nun, ein Kulturwissenschaftler hat sofort auf dem Schirm: Die haben nicht nur eine Corporate Identity - sie haben auch ein Corporate Design. Definitiv. Fehlt nur noch ein Claim und die ganze Sache ist rund. Wie wäre es beispielsweise mit Think Pink? Nun, platt und nicht besonders kreativ, aber für betrunkene Inseltouristen genau das Richtige, isn't it? ;-)
Wir genossen also unser Abendessen, über das man sich, es ist ja nur ein Hostelabendessen, wirklich nicht beschweren konnte, denn es gab eine Suppe, griechischen Salat und Gemüsereis mit irgendeiner Fleischbeilage (nein, nicht umgekehrt), und setzten uns danach in die Hostelbar und wollten eigentlich nur eine Cola trinken. Nun, plötzlich waren wir nicht mehr drei, sondern sechs, denn drei nette Amerikaner gesellten sich zu uns und man plauderte länger als beabsichtigt und ganz nebenbei wurde der Abend auch relativ teuer und feuchtfröhlich.

Nach einer nicht besonders langen und bedauerlicherweise auch noch sehr kalten Nacht (Ich musste irgendwann sogar mein Handtuch als zweite 'Decke' mitbenutzen, da die Heizung einfach nicht so arbeiten wollte wie sie sollte) öffneten wir die Balkontür und sahen Sonne und blauen Himmel. Wir checkten aus, frühstückten an der Strandbar des Pink Palace und gingen dann direkt an den Strand - ganze fünf Meter von der Bar entfernt ;-) Dort verbrachten wir dann ein paar Stunden und fühlten uns wie im Sommerurlaub. Mit Bikini auf der Liege liegen, ein gutes Buch lesen, einen Spaziergang am Strand machen, im Mittelmeer baden gehen (okay, zugegeben, es war arschkalt und ich war die Einzige weit und breit im Wasser... wobei... wir drei waren generell die einzigen Personen am Strand - ein Privileg, das nur Nicht-Standardtouristen genießen dürfen)... Kann es etwas Schöneres geben?
Das Wasser war so unglaublich blau, so blau wie in den Reisekatalogen und wir lagen nur am Strand und genossen die Zeit, denn wir dachten, dass wir die Sonnenstunden mitnehmen müssten. Wer wusste schon, wie es morgen sein würde? Aber das Wetter blieb sonnig, der Himmel blieb blau - nur wir, wir wurden rot. Und zwar nicht zu knapp. Als wir am Dienstag aufstanden und uns auf den Weg zurück nach Thessaloniki machten, schworen wir uns, auf der Fähre unter Deck zu sitzen. Wir waren uns sicher: Ein Sonnenstrahl mehr, und wir würden gekocht.
Zugegeben, für jemanden, der sein halbes Leben lang an der dänischen Nordseeküste geurlaubt hat, können griechische Strände trotz des blauen Wassers beizeiten ziemlich enttäuschend sein. Wo sind die Wellenbrecher? Wo sind die Krebse, die Krabben, die Muscheln, die Seesterne, die Quallen? Wieso kann man nur Steine sammeln, keine Muscheln? Warum kein Schlick, warum keine hohen Wellen? Und wo, zum Teufel, ist der Bernstein? Aber man weiß die ersten Stunden am Strand zu schätzen, ganz gleich, wo man sie auch verbringt. Und als mir das Mittelmeer eine Sepiaschale vor die Füße spülte, war alles wieder in Ordnung...

Das waren also unsere ersten Stunden auf Korfu. Natürlich hingen wir nicht die ganze Zeit über am Strand, wobei es, wie ich ehrlich gestehen muss, eine recht verlockende Vorstellung war. Die folgenden Tage wurden zu einer Belastungsprobe für unsere Körper - Sonne und viele Fußmärsche saugten die Energie förmlich aus uns heraus. Was wir in Korfu City und Umgebung so alles angestellt haben, lest ihr im nächsten Blogeintrag, der hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lassen wird... :-)

1 Kommentar:

  1. oh, ich hatte schon auf den eintrag gewartet. am mittelmeer rumzumeckern und quallen und schlick zu vermissen kannst aber auch nur du fertig bringen. und dafür kann man in griechenland je nach strand auch muscheln finden UND die kalkhüllen von lang verstorbenen seeigeln rauftauchen! (und ich find und find keinen guten flug!)
    - m

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