Am Nachmittag, nachdem wir unseren Strandausflug ein wenig wehmütig beendet hatten, nahmen wir Abschied vom Inselteil Agios Gordios und wurden für fünf Euro vom Shuttle-Service des Pink Palace wieder zurück nach Korfu City gebracht. Das erste, um das wir uns kümmern mussten, war unsere Bleibe für die kommenden drei Nächte. Wir liefen durch die ganze Stadt, wir fragten in jedem Hotel, doch unter 21 € war nichts zu finden. Je näher wir allerdings dem Hafen kamen, desto günstiger wurden die Zimmer, also suchten wir mehr oder weniger motiviert weiter. Als wir ein heruntergekommenes Gebäude mit dem Schriftzug "Hotel" gefunden hatten, waren wir sicher: Ein Zimmer in dieser Bruchbude wird sicher nicht mehr als 15 € kosten, also: rein da. Ja, leider war das Hotel verlassen und abgeschlossen und die Gäste nebenan bei Pizzahut sahen uns mit einer Mischung aus Verwirrung und Mitleid an... Was tun Studierende nicht alles, um ihre Ausflüge so günstig wie möglich zu gestalten? Das Paradoxe an der ganzen Sache ist allerdings, dass uns dieser Trip trotz aller Bemühungen weit mehr kostete als geplant – und daran war nicht nur der Pink Palace Schuld... ;-)
Irgendwann wagten wir uns dann in eine kleinere Nebenstraße und wurden dann tatsächlich doch noch fündig. 17 € pro Nacht – günstiger ging es scheinbar wirklich nicht und so entschieden wir uns, es dabei zu belassen. Wir schliefen ein paar Stunden, denn die Suche mit all unserem Gepäck bei Sonne satt durch ganz Korfu City hatte uns unsere Kraft geraubt. Am Abend gingen wir, der letzte wirkliche Luxus, den wir uns gönnten, in eine Taverne essen. Während Nicolle und Sigrida sich Muscheln teilten, machte sich bei mir der wochenlange Verzehr von Kalamari bemerkbar und so war mir an diesem Abend ausnahmsweise überhaupt nicht nach Meeresfrüchten. Ja, es kam der Tag, an dem ich das erste Mal keine Kalamari, sondern schlicht und ergreifend überbackene Spaghetti mit ganz viel Schinken bestellte. ;-)
Der Sonntag begann, wie schon der Samstag, vielversprechend mit viel Sonne und blauem Himmel. Die Inselkarte, die wir amVortag von unserem Shuttlefahrer bekommen hatten, versprach uns einige Strände in der Nähe von Korfu City und so war unser Plan, sich ein paar Stunden der Erkundung der Stadt zu widmen und den Nachmittag noch einmal mit Handtuch und Buch am Strand zu verbringen.
Wir machten uns auf den Weg in die Altstadt und wurden dort von einem Pre Easter Event überrascht: eine Parade mit Spielmannszügen in den verschiedensten Uniformen, Weihrauch schwenkenden Jungen, marschierenden Mädchen, Männer in Militäruniformen, die eine Gruppe von Geistlichen begleiteten, die irgendetwas auf einer Bahre transportierten. Ganz Korfu City war auf den Straßen, folgte dem Zug und stand einfach nur auf dem Gehweg und sah sich das Spektakel an. Die Cafés waren gut gefüllt, die Plätze waren voll von ausgelassenen Menschen, spielenden Kindern und Verkäufern, die ihre Luftballons oder Knabbereien an den Mann oder die Frau bringen wollten.
Es war gar nicht so einfach, sich durch den Zug auf die andere Straßenseite zu schlängeln, wo unser erstes Ziel des Tages lag: das Old Fortress, von dem aus man einen wunderbare
n Ausblick über Korfu Stadt und das Mittelmeer genießen kann. Der Aufstieg war nicht so hart wie wir dachten, denn zum Glück gab es einige Orte, an denen man verschnaufen konnte, während man sich unterschiedliche Gebäude anschaute oder sich auf die Mauer setzte und seinen Blick über das offene Meer oder die Bucht schweifen ließ. Die Sonne brannte ohne Gnade, doch weil der Wind hier oben so kräftig blies, nahmen wir die Gefahr gar nicht wahr – und so verbrannten wir uns nun schon am zweiten Tag in Folge den Pelz. Jaja, Sonnencreme, blabla, ja. Vergessen. Kann mal passieren. Zwei oder drei oder vier Tage lang.
Doch der Ausblick war es wirklich wert. Mit Worten eigentlich kaum zu beschreiben. Ich musste wieder über das so wahnsinnig blaue Wasser staunen, es wirkt fast unnatürlich, eher wie Wasser in einem sehr sauberen Swimmingpool. Und der Frühling ist nun vollkommen in Griechenland angekommen. Die Blumen blühen, die Bäume werden grün und die Insekten machen sich schon fleißig an die Arbeit. Was brauchte es mehr, um dieses Bild perfekt zu machen? Nicht viel, Delfine wären vielleicht noch ganz nett gewesen. ;-)
Wir genossen noch ein paar Minuten die Stille um uns herum. Außer uns war kaum jemand oben auf der Burg, denn es hielt die Menschen auf den Straßen beim Festzug. Doch schon bald wurde der Wunsch nach Sand und Liege größer und so machten wir uns wieder an den Abstieg, um uns auf die Suche nach einem Strand zu begeben.
20 Minuten Fußmarsch war die Aussage eines Taxifahrers und so machten wir uns motiviert auf den Weg, denn was sind schon 20 Minuten Fußweg, wenn man danach stundenlang am Strand liegen kann? Wir fanden den "Strand" auch, aber er war eine bittere Enttäuschung: er bestand eher aus Staub als aus Sand, hatte direkte Verbindung zu einem Spielplatz, der vollkommen leer war, der Strand war dreckig und furchtbar klein. Die Schattenseite eines Korfu, in dem die Touristensaison noch nicht angefangen hat?
Der Wunsch nach einem richtigen Sandstrand aber war groß und so gaben wir nicht auf und warfen einen erneuten Blick auf die Karte. Der nächste Abschnitt, der als Strand gekennzeichnet war, war nicht allzu weit entfernt. Wir fragten eine ältere Dame, ob der Strand gut sei und sie bejahte. Mit neuem Mut ging es also weiter und wir verließen Korfu City zu Fuß in Richtung Kanoni. Wir liefen und liefen und liefen. Aus Unsicherheit fragten wir auf unserem Weg mehrere Personen nach dem Strand, alle wiesen geradeaus. Also liefen wir. Eine Stunde? Zwei? Ich weiß es nicht. Als wir jedenfalls endlich am Wasser standen, vollkommen fertig, folgte die nächste Enttäuschung. Was auch immer es war, es war kein Strand. Es war schön, keine Frage, und hätten wir keinen weitläufigen Sandstrand erwartet, wäre uns dieser Ort nahezu paradisisch vorgekommen, aber in unserem Zustand siegte zunächst die Enttäuschung. Wo waren wir gelandet? Ein kleiner Hafen, zwei kleine Inselchen nahe dem Festland, auf der kleineren von b
eiden stand ein weißes Gebäude, ein Hügel voller Cafés. Aber kein Strand. Als ich später bei Wikipedia nachschlug, erfuhr ich, dass wir an einem gar nicht so unbekannten Ort gelandet waren. Die beiden Inseln tragen die Namen Klosterinsel Vlacherna und "Mäuseinsel" Pondikonisi – beides Ausflugsziele für Touristen.
Aber leider wollten wir an diesem Tag nun mal keine Kloster- und Mäuseinseln, sondern einen Strand. Und was tun Frauen, wenn nicht das bekommen, was sie wollen? Sie muckeln rum und landen schließlich bei Starbucks, um ihren Frust in einem Frappé zu ertränken. ;-)
Zu allem Überfluss hatten wir auch noch vergessen, dass die Uhren in der Nacht um eine Stunde vorgestellt worden waren und als wir dann, endlich, im Bus zurück nach Korfu City saßen, war es schon 18:00 Uhr und nicht 17:00 Uhr, wie wir eigentlich angenommen hatten.
Das einzige, zu dem wir an diesem Abend noch fähig waren, war, zurück zum Hotel zu gehen und uns auf dem Weg unser Abendbrot aus einem Bistro mitzunehmen.
Und so hingen wir den ganzen Abend erschöpft in unseren Betten, genossen den Luxus eines Fernsehers, der uns leider keine besonders gute Laune bescherte, da wir so von den Anschlägen in Russland erfuhren. Unser Tag endete mit Diskussionen und vielen Plänen für den Folgetag, aber dazu mehr im nächsten Blogeintrag!

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