Nachdem die letzten Tage so zähflüssig näher kamen wie Honig, war es in der Nacht vom 8. auf den 9. April endlich soweit: mein zweiter Besuch aus Deutsch

land, meine Mutter und ihr Lebensgefährte, landeten pünktlich um 1:45 Uhr auf dem
Thessaloniki Airport. Welch' unhumane Zeit! Erschwerend hinzu kam, dass das Hotelzimmer erst ab 13 Uhr bezugsbereit war und so hatten wir eine lange, schlaflose Nacht vor uns. Aber wir befinden uns schließlich in der Stadt, die niemals schläft, und so beschlossen wir, das Gepäck in meinem Wohnheimzimmer zwischenzuparken und uns danach in der Stadt ein Plätzlichen zu suchen, in dem wir die Zeit totschlagen konnten. Gesagt, getan - natürlich nicht, ohne dass der Bluthund von Sicherheitsmann nur wenige Sekunden, nachdem meine Besucher und ich mein Zimmer mit dem Gepäck betreten hatten, an meine Tür klopfte und von mir eine Erklärung verlangte (dieser Mensch nimmt seinen Job sehr ernst, ich wette, er blinzelt nicht mal, wenn er die Sicherheitskameras auf den Monitoren im zweiten Stock verfolgt). Zu Fuß ging es an der Promenade in die Innenstadt, wo wir die Stunden in zwei
Everest-Filialen (
Subways, nur...besser irgendwie!) verbrachten. Das Mietauto, das uns die Woche über begleiten und uns eine wahre Freude sein sollte - dazu aber später mehr, stand am Flughafen ab 7 Uhr zur Abholung bereit und so ging es dann zurück zum Wohnheim, um die Koffer wieder abzuholen. Und dort kam es zu einem ersten, planverzögernden Erlebnis: Meine Mitbewohnerin, von einer Party zurückgekehrt und vollkommen betrunken, schloss die Tür gewohnheitsgemäß von innen ab - und ließ den Schlüssel stecken. Zehn Minuten des Klopfens, Rufens und Klinkerüttelns waren notwendig, um die Ärmste aus ihrem wohlverdienten Schlaf zu reißen. Ein Wunder, dass ich dabei nicht die ganze Etage aufgeweckt ha

be. Nachdem die vielzähligen Geschenke, die mir aus Deutschland mitgebracht wurden, darunter unter anderem mein neues Netbook und viele, viele Lebensmittel (Ich sage nur
Deit und viele wissen Bescheid ;-)), ausgepackt waren, brachte ich meine Mutter und Fritz zur Bushaltestelle und überließ sie ganz frech ihrem Schicksal, denn ich war schon im
Everest kurz davor, auf dem Stuhl einzuschlafen.
Erst am Nachmittag, nachdem wir uns alle mit einer Mütze voll Schlaf gestärkt hatten, fuhren wir in die Stadt und ich zeigte meinem Besuch das
Thessaloniki Castle, von dem aus man eine wunderbare Aussicht über die Stadt hat. Leider war es schon etwas diesig, aber trotzdem war es sehr schön, den Sonnenuntergang von dort aus zu beobachten. Im Anschluss daran setzten wir uns noch für ein Weilchen in ein Café und danach ging es in eine Taverne essen, wo wir Pläne für den Folgetag schmiedeten. Nach Meteora sollte es also gehen. Nachdem mich die schwebenden Klöster schon zu Sprachkurszeiten fasziniert hatten, das Wetter aber leider nicht mitspielte, packte ich diese Gelegenheit beim Schopf und freute mich auf ein Wiedersehen.
Am Samstagvormittag machten wir uns auf den Weg. Wir entflohen dem regnerischen Thessaloniki in südwestlicher Richtung. Der Gesichtsausdruck meiner Mutter, als wir am Meer entlangfuhren, war schon unvergesslich :-) Aber ich glaube, der Anblick der Klöster hat ihr dann entgültig den Rest gegeben ;-) Das Wetter spielte diesmal wirklich mit und pünktlich b

ei unserer Ankunft hörte es auf zu tröpfeln und sogar die Sonne ließ sich blicken. Wir zahlten den vollkommen gerechtfertigten (wenn nicht gar untertriebenen) Eintrittpreis von 2 € und streiften durch die Gänge, bis wir schließlich in einem kleinen Museum landeten. Im Gespräch mit dem sehr netten, älteren Herren (ca. 70) hinter der Theke mit den Souvenirs, stellten wir fest, dass er viele Jahre als Gastarbeiter in Hildesheim beschäftigt war und nach Griechenland zurückkehrte, als das Unternehmen sich auflöste. Wie verrückt! Was für Zufälle es doch gibt. Er war wirklich wahnsinnig nett und bevor wir gingen, schenkte er mir ein kleines Fotoklappbuch über die Meteoraklöster. Es schmückt jetzt meinen Nachttisch als Erinnerung an diese nette Begegnung. Ab da hieß er für mich nur noch "mein neuer Freund" - natürlich nur im übrtragenen Sinne ;-) Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich mich mit nichts für das Geschenk würde revangieren können, da spielte uns das Schicksal glücklicherweise in die Arme: Als wir das Kloster kurz vor Schließung um 17 Uhr verließen, trafen wir den alten Herren auf dem Weg zum Ausgang wieder und er fragte uns, ob wir zufällig auf dem Weg nach
Kalambaka, dem kleinen Dorf am Fuße der Meteorafelsen (auf dem Foto rechts im Hintergrund), seien - und da wir ohnehin etwas essen fahren wollten, bejahten wir und nahmen ihn mit Freude in unserem Auto mit ins Dorf. Er empfahl uns eine gemütliche Taverne, in der wir anschließend aßen, bevor wir uns nach diesem aufregenden Tag wieder zurück nach Thessaloniki machten.
Auf dem Rückweg, der uns in Schlangenlinien um unzählige Hügel und Berge herumführte - eine Freude für jeden Motorradfahrer, sahen wir Dinge, die man in Deutschland so wohl nicht mehr allzu häufig zu Gesicht bekommen würde: freilaufende Ziegenherden, die von Hirtenhunden über die Straße getrie

ben wurden und Füchse, die seelenruhig am hellichten Tag über die Straße trabten. Es war vollkommen friedlich, malerisch, griechisch. Es kam sehr selten vor, dass Zäune den Blick übers Land störten. Unbegradigte, wilde Flüsse schlengeln sich durch die Landschaft mit Wasser, das so unglaublich blau ist, wie ich es noch in keinem deutschen Fluss gesehen habe. Griechenland ist ein landschaftlich dermaßen reizvolles, wunderschönes Land, dass ich jetzt schon weiß, dass ich es vermissen werde, wenn ich es wieder gegen Deutschland (das zweifelsohne auch seine schönen Seiten hat, ich will mein Heimatland ja nicht schlecht reden!) eintauschen "muss". Vielleicht ist Griechenland auch nicht mal unbedingt schöner als Deutschland, es ist wahrscheinlich einfach nur
anders. Und wie es so oft ist mit den Dingen, die man nicht kennt - sie sind gleich um ein Vielfaches interessanter als das, was man Jahre lang um sich herum hatte. Aber ich schweife ab, wie so oft...
Für den Folgetag hatten wir geplant, uns die Stadt näher anzuschauen oder bei gutem Wetter der Halbinsel Chalkidiki einen Besuch abzustatten und dann in der Nacht den Zug nach Athen zu nehmen. Ob das alles so geklappt hat, wie wir es uns vorgestellt hatten, lest ihr im nächsten Blogeintrag :-)
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