Das Wetter hier in Thessaloniki zeigt sich jetzt zum Wochenanfang, im Gegensatz zu der verregneten und dauerbewölkten Vorwoche, von seiner allerbesten Seite. Der Himmel blau, eine leichte Brise vom Meer her, Sonne und angenehme Temperaturen - nicht ein Grad zu kalt, nicht ein Grad zu warm: perfekte, deutsche Sommertage ;-)
Am vorletzten Freitag fand ich mich pünktlich um 20 Uhr im Goethe-Institut ein, wo José F. A. Oliver, der deutsch-spanische Dichter, über den ich, wie sich vielleicht einige von euch dunkel erinnern, momentan ein Seminar belege, eine Lesung abhalten sollte.
Wir arbeiten jede Woche rund drei Stunden mit seinen polyglossalen, surrealistischen Gedichten und so war die Spannung natürlich groß, diesen Dichter einmal persönlich seine Gedichte vorlesen zu hören und vielleicht sogar die Möglichkeit zu bekommen, ihm einige Fragen zu seiner Poesie und vor allem zu seiner Poetik zu stellen. Leider machte uns der Eyafjallajökull (ich kann dieses Wort inzwischen flüssig runterschreiben und aussprechen...) mit seiner Aschewolke einen Strich durch die Rechnung, da Olivers Flieger nach Thessaloniki gecancelt wurde.
Das tat ihm so Leid, obwohl er ja gar nichts dafür konnte, dass er sich an ebendiesem Wochenende hingesetzt und ein Gedicht darüber geschrieben hat, das ebenfalls den Namen Eyafjallajökull trägt:
Eyafjallajökull
Ein vorläufiges Gedicht
der himmelskuss
ist aschenlaib. Die zeit
verspannt
ejakulierten staub. Nun
müssen mensch & w:erden sich
wie wellen
selbst entklauben
ins grabmaul tropfen
wundverendet. Es schweigt
die luft
& kaut
gefallene sol
daten ziffern
1 namenloses zittern. Die fährten
wuchern
gräten auf
die stecken fest im hals. Natura viva
leckt post mortem
blindgefüttert
die ohrenzungen
1 nachtbefehl per pedes. Nicht
nachzusprechen ist
die kunde. Sie
folgt den plötzlichkeiten
vom fremden alphabet. Man
trifft sich stumm
im omega. Im erdloch-
alpha &
über den patrouillen
die toten uhren. Vulkan &
kampfgebiet & tickets
sind kunduseins
im ausbruchschlamm der w:orte
die meldungen ins off
17. April 2010
Ein vorläufiges Gedicht
der himmelskuss
ist aschenlaib. Die zeit
verspannt
ejakulierten staub. Nun
müssen mensch & w:erden sich
wie wellen
selbst entklauben
ins grabmaul tropfen
wundverendet. Es schweigt
die luft
& kaut
gefallene sol
daten ziffern
1 namenloses zittern. Die fährten
wuchern
gräten auf
die stecken fest im hals. Natura viva
leckt post mortem
blindgefüttert
die ohrenzungen
1 nachtbefehl per pedes. Nicht
nachzusprechen ist
die kunde. Sie
folgt den plötzlichkeiten
vom fremden alphabet. Man
trifft sich stumm
im omega. Im erdloch-
alpha &
über den patrouillen
die toten uhren. Vulkan &
kampfgebiet & tickets
sind kunduseins
im ausbruchschlamm der w:orte
die meldungen ins off
17. April 2010
© José F. A. Oliver
Ich liebe seine Lyrik :-) Das lasse ich jetzt ebenso kommentarlos im Raum stehen wie das oben stehende Gedicht, denn, wie meine Dozentin heute sehr schön gesagt hat, Gedichte bedürfen nicht immer der Interpretation und des Kommentars. Sie wollen oft einfach nur klingen und wirken. ("Ich versuche gerade 12 Jahre Schulbildung kaputt zu machen.")
Oliver war übrigens nicht der einzige, der durch den isländischen Vulkan an seiner Reise nach Griechenland gehindert wurde. Auch eine Freundin aus Deutschland, die einige Wochen zu Hause gewesen war und am Wochenende mit dem Flieger zurückkommen wollte, fand keine Möglichkeit
mehr, durch die Luft zurück in den Süden zu gelangen. Sie ließ sich spontan auf eine über 70-stündige Trucktour über Österreich und Italien ein. Ihr griechischer Vermieter bekam über ihre Mitbewohner mit, dass sie Schwierigkeiten hatte, zurück nach Griechenland zu kommen und rief kurzerhand seinen Cousin an, der bei einem Speditionsunternehmen arbeitet und mit dem Truck in den Folgetagen von München nach Thessaloniki fahren würde. Wie viel Glück kann ein Mensch haben? Es war sicherlich ein abenteuerliches Erlebnis!
Von letztem Donnerstag bis Sonntag fand in Thessaloniki die 7. Internationale Buchmesse statt. Für einen Bücherwurm wie mich natürlich die beste Gelegenheit, mich wieder einmal so richtig auszutoben. Auch die deutschen Verlage sollten einen Gemeinschaftstand haben, also: hin da. Leider stellte sich die Messe als Enttäuschung heraus. Dafür, dass es sich um eine internationale Buchmesse handelte, war sie im Endeffekt doch eindeutig national. Nicht einmal das Programm war in englischer Sprache erhältlich und der deutsche Gemeinschaftsstand stellte sich als Stand vom Goethe-Institut heraus, der nur eine kleine Auswahl an Büchern ausstellte, die mir auch noch zum Großteil bereits bekannt waren. Aber hey, ich war auf einer internationalen Buchmesse - wer bietet mehr? ;-)
Und wo ich doch ohnehin schon so tief ins Thema "Literatur" eingestiegen bin, hier ein paar neue Informationen zu dem Kurs "Travelwriting - Schreiben über das Reisen", der nächste Woche Mittwoch für mich anfängt. Die Reiserei nimmt kein Ende, denn selbst die Dozenten scheuchen uns durch das Land (was mir natürlich alles andere als ungelegen kommt). Am 14./15. Mai geht es in die Hafenstadt Volos - zwischen Thessaloniki und Athen an der Ostküste gelegen. Zwei Tage lang bewaffnet mit Zettel und Stift die Stadt erkunden und die Eindrücke zu wissenschaftlichen, literarischen, politischen und historischen Reisebreichten verarbeiten, die dann im Anschluss im Kollektiv lektoriert werden. Und als ob das für die Vorfreude auf den Kurs noch nicht ausreichen würde, kriegt man auch noch Bücher geschenkt. In diesem Fall handelt es sich um den literarischen Reisebericht " Deutschland. Eine Reise", in dem Wolfgang Büscher seine 3500 Kilometer lange Reise entlang der Grenze des deutschen Staates beschreibt. Frisch aus der Buchhandlung - sogar noch eingeschweißt. Wundert's da einen, dass der griechische Staat Pleite ist!? Aber ich bin natürlich die let
zte, die sich über geschenkte Bücher beschweren würde :-)
Verlassen wir die universitären Gefilde und widmen uns einer Tätigkeit, die die Griechen besonders gut beherrschen: das Feiern. Feiern darf auch im Leben eines ERASMUS-Studenten nicht fehlen, und so machten wir uns am Samstag um 22 Uhr in die Stadt, deckten uns mit Ouzo und Alkopops ein (ehrlich, ich fühle mich wie im Paradies. Barcardi Breezer in sämtlichen Geschmacksrichtungen und Smirnoff Ice an jedem, verdammten Straßenkiosk!), setzten uns auf eine Bank und beobachteten Menschen.
An diesem Abend fand in Athen ein Finalspiel zwischen Aris, einer der thessalonischen Fussballmannschaften und einem anderen Team statt und in der ganzen Stadt herrschte ein massives Polizeiaufgebot. Panzerartig wirkende Busse, voll besetzt mit Polizisten in ebenso voller Montur. Waffen, Schilde und natürlich ganz cool mit Sonnenbrille. Abends um 10. Wenn es dunkel ist. Wirkt unheimlich... ernst und professionell, ehrlich. Achtung, Ironie.
Da Die Fans der thessalonischen Fussballteams P.A.O.K. und Aris als Krawallmacher gelten und Thessaloniki nach Spielen der Mannschaften im P.A.O.K.-Stadion alles andere als ein sicheres Pflaster ist, wollte man wohl auf Nummer sicher gehen und stellte einen vollbeladenen Bus an jede Hauptstraße. Hätten sie die Busse mal lieber in einer Seitenstraße abgestellt...
Meine beiden Begleiterinnen waren schon gut angeheitert, als wir uns gegen halb 1 auf den Weg ins Kneipen- und Clubviertel der Stadt, Ladadika, machten. Kichernd liefen sie mit mir die Egnatia hinauf, als wir einen dieser Busse passierten, dessen Großteil seiner Besatzung draußen stand. Und nun passierte etwas, das ich gerne als den peinlichsten Augenblick meines Lebens oder mit "Warum nur war ich noch nicht betrunken?" betiteln möchte. Eine meiner beiden Freundinnen starrt mich an, starrt die Polizisten an und ruft(!): "Hey, Kat, look! So many policemen!! You like policemen, don't you?" Und nun waren es die Polizisten, die starrten. Und unverschämt grinsten.
Wo zur Hölle war die Aschewolke des verdammten Eyafjallajökull als ich sie wirklich brauchte?
Nichts desto trotz wurde es noch eine sehr schöne Nacht. Nur die Tatsache, dass ich an dem gleichen Polizeibus auf meinem Weg nach Hause noch ein zweites Mal vorbei musste, stieß bei mir auf nicht ganz so viel Begeisterung. Kopf und Blick gen Boden gerichtet und schnellen Schrittes hechtete ich an dem olivgrünen Ungetüm vorbei (nicht ohne zuzugeben, dass die Polizisten wirklich... naja, lassen wir das...) und machte mich auf meinen mehr als einstündigen Fußmarsch zurück nach Hause.
Geht es dir gut, Katha? Ja, es geht mir gut. Und das Leben ist schön.
Oliver war übrigens nicht der einzige, der durch den isländischen Vulkan an seiner Reise nach Griechenland gehindert wurde. Auch eine Freundin aus Deutschland, die einige Wochen zu Hause gewesen war und am Wochenende mit dem Flieger zurückkommen wollte, fand keine Möglichkeit
Von letztem Donnerstag bis Sonntag fand in Thessaloniki die 7. Internationale Buchmesse statt. Für einen Bücherwurm wie mich natürlich die beste Gelegenheit, mich wieder einmal so richtig auszutoben. Auch die deutschen Verlage sollten einen Gemeinschaftstand haben, also: hin da. Leider stellte sich die Messe als Enttäuschung heraus. Dafür, dass es sich um eine internationale Buchmesse handelte, war sie im Endeffekt doch eindeutig national. Nicht einmal das Programm war in englischer Sprache erhältlich und der deutsche Gemeinschaftsstand stellte sich als Stand vom Goethe-Institut heraus, der nur eine kleine Auswahl an Büchern ausstellte, die mir auch noch zum Großteil bereits bekannt waren. Aber hey, ich war auf einer internationalen Buchmesse - wer bietet mehr? ;-)
Und wo ich doch ohnehin schon so tief ins Thema "Literatur" eingestiegen bin, hier ein paar neue Informationen zu dem Kurs "Travelwriting - Schreiben über das Reisen", der nächste Woche Mittwoch für mich anfängt. Die Reiserei nimmt kein Ende, denn selbst die Dozenten scheuchen uns durch das Land (was mir natürlich alles andere als ungelegen kommt). Am 14./15. Mai geht es in die Hafenstadt Volos - zwischen Thessaloniki und Athen an der Ostküste gelegen. Zwei Tage lang bewaffnet mit Zettel und Stift die Stadt erkunden und die Eindrücke zu wissenschaftlichen, literarischen, politischen und historischen Reisebreichten verarbeiten, die dann im Anschluss im Kollektiv lektoriert werden. Und als ob das für die Vorfreude auf den Kurs noch nicht ausreichen würde, kriegt man auch noch Bücher geschenkt. In diesem Fall handelt es sich um den literarischen Reisebericht " Deutschland. Eine Reise", in dem Wolfgang Büscher seine 3500 Kilometer lange Reise entlang der Grenze des deutschen Staates beschreibt. Frisch aus der Buchhandlung - sogar noch eingeschweißt. Wundert's da einen, dass der griechische Staat Pleite ist!? Aber ich bin natürlich die let
Verlassen wir die universitären Gefilde und widmen uns einer Tätigkeit, die die Griechen besonders gut beherrschen: das Feiern. Feiern darf auch im Leben eines ERASMUS-Studenten nicht fehlen, und so machten wir uns am Samstag um 22 Uhr in die Stadt, deckten uns mit Ouzo und Alkopops ein (ehrlich, ich fühle mich wie im Paradies. Barcardi Breezer in sämtlichen Geschmacksrichtungen und Smirnoff Ice an jedem, verdammten Straßenkiosk!), setzten uns auf eine Bank und beobachteten Menschen.
An diesem Abend fand in Athen ein Finalspiel zwischen Aris, einer der thessalonischen Fussballmannschaften und einem anderen Team statt und in der ganzen Stadt herrschte ein massives Polizeiaufgebot. Panzerartig wirkende Busse, voll besetzt mit Polizisten in ebenso voller Montur. Waffen, Schilde und natürlich ganz cool mit Sonnenbrille. Abends um 10. Wenn es dunkel ist. Wirkt unheimlich... ernst und professionell, ehrlich. Achtung, Ironie.
Da Die Fans der thessalonischen Fussballteams P.A.O.K. und Aris als Krawallmacher gelten und Thessaloniki nach Spielen der Mannschaften im P.A.O.K.-Stadion alles andere als ein sicheres Pflaster ist, wollte man wohl auf Nummer sicher gehen und stellte einen vollbeladenen Bus an jede Hauptstraße. Hätten sie die Busse mal lieber in einer Seitenstraße abgestellt...
Meine beiden Begleiterinnen waren schon gut angeheitert, als wir uns gegen halb 1 auf den Weg ins Kneipen- und Clubviertel der Stadt, Ladadika, machten. Kichernd liefen sie mit mir die Egnatia hinauf, als wir einen dieser Busse passierten, dessen Großteil seiner Besatzung draußen stand. Und nun passierte etwas, das ich gerne als den peinlichsten Augenblick meines Lebens oder mit "Warum nur war ich noch nicht betrunken?" betiteln möchte. Eine meiner beiden Freundinnen starrt mich an, starrt die Polizisten an und ruft(!): "Hey, Kat, look! So many policemen!! You like policemen, don't you?" Und nun waren es die Polizisten, die starrten. Und unverschämt grinsten.
Wo zur Hölle war die Aschewolke des verdammten Eyafjallajökull als ich sie wirklich brauchte?
Nichts desto trotz wurde es noch eine sehr schöne Nacht. Nur die Tatsache, dass ich an dem gleichen Polizeibus auf meinem Weg nach Hause noch ein zweites Mal vorbei musste, stieß bei mir auf nicht ganz so viel Begeisterung. Kopf und Blick gen Boden gerichtet und schnellen Schrittes hechtete ich an dem olivgrünen Ungetüm vorbei (nicht ohne zuzugeben, dass die Polizisten wirklich... naja, lassen wir das...) und machte mich auf meinen mehr als einstündigen Fußmarsch zurück nach Hause.
Geht es dir gut, Katha? Ja, es geht mir gut. Und das Leben ist schön.

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