Freitag, 26. Februar 2010

Griechischer Wein und griechischer Fussball

Nach einer langen Pause, für die ich mich an dieser Stelle schon mal entschuldigen möchte, gibt es für euch nun wieder einen Schwung Neuigkeiten aus der Ferne. Zwei ereignisreiche Wochen liegen hinter mir.
Nachdem ich die sechs Wochen Sprachkurs inklusive der Abschlussklausur erfolgreich hinter mich gebracht hatte (und seit gestern ein Zeugnis besitze, das ich nicht verstehen kann, da es auf Griechisch geschrieben ist...), ging es Donnerstag noch auf unseren letzten Ausflug. Ziel war die besonders hoch angesehene Vinzerei Κτήμα Γεροβασιλείου, 25 Kilometer entfernt von Thessaloniki. Wir durften dort einen Blick hinter die Kulissen werfen, uns die unterschiedlichen Produktionsschritte - Pflege der Reben, Ernte, Lagerungsprozess und Vertrieb - erklären lassen und eine der weltweit wichtigsten und größten Sammlungen von Korkenziehern besichtigen. Viele der Exemplare waren einfach zu genial - links ein kleines Exempel ;-) Der Höhepunkt war aber zweifelsohne die Weinprobe. Viele der Weine, die diese Vinzerei produziert, wurden bereits europaweit mit Preisen ausgezeichnet und wir durften einen Rot- und einen Weißwein probieren. Dazu gab es Käse und viel, viel Sesam-Weißbrot. Dann ging es auch schon wieder zurück nach Thessaloniki. So manchem stieg der Wein dermaßen zu Kopf, dass er einfach die gesamte Rückfahrt verschlief.

Und plötzlich stand auch schon das nächste freudige Ereignis bevor: mein erster Besuch aus Deutschland. Linda kam am Freitag, den 19. Februar, planmäßig in Thessaloniki an und das Wetter zeigte sich von seiner allerbesten Seite. Für jemanden, der gerade aus einem Land mit Minusgraden anreist, ein regelrechter Temperaturschock ;-)
Nach einem ausgiebigen Spaziergang an der Promenade und einem Besuch im weißen Turm, den ich bisher, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, auch nur von außen gesehen hatte, ging es für ein paar Stündchen zurück ins Wohnheim, wo wir uns eine kleine Pause gönnten, um fit für die Nacht zu sein, denn abends sollte es zuerst auf die Einweihungsparty der Wohnung von Eva und Nicolle gehen und im Anschluss wollten wir uns einen netten Club in der Stadt suchen, um zu feiern. Und das taten wir auch! Nachdem wir bei Tia und Anna mit einer Flasche Rotwein vorgeglüht und uns bei Eva und Nicolle mit vielen Knoblauchschnittchen gestärkt hatten, ging es (wohl sehr zum Leidwesen aller anderen Partygäste) weiter in ein sehr schönes Kneipen- und Clubviertel von Thessaloniki, in dem ich vorher noch nie war. Leider waren die Kneipen dermaßen überfüllt, dass man kaum tanzen konnte, ohne anderen Gästen die Nase oder andere Körperteile zu brechen, und so verging uns schon relativ früh die Lust am Feiern und wir machten uns gegen halb 4 wieder auf den Weg zurück nach Hause.
Am Tag darauf sind wir ein bisschen durch Thessaloniki geschlendert, aber natürlich nicht, ohne vorher eine (nord-)griechische Spezialität - Μπουγάτσα, Blätterteigtaschen mit allen denkbaren Füllungen (Käse und Schinken, Feta, Spinat, Hähnchenfleisch oder auch die süße Version mit Vanillecréme und Zimt) - gefrühstückt zu haben. Und wie man sieht: Linda fand's super ;-)

Am Nachmittag beschlossen wir, unsere Tickets für den Zug nach Athen am Bahnhof zu kaufen. Zum Glück wollten wir gleich die Hin- und Rückfahrtickets zusammen kaufen, denn dadurch erfuhren wir, dass wir zwar mit dem Zug nach Athen, nicht aber zurückkommen würden, da die Züge am Dienstag und Mittwoch streiken würden. So kauften wir schließlich nur die Oneway-Tickets und ließen uns von dem netten Herren am Infopoint den Weg zur Busstation erklären.
Als wir ein kleines Geschäft mit einem vielversprechenden Schild entdeckt hatten (das wir mal wohlwollend als Busreisen in Griechenland interpretierten) traten wir ein, mussten aber leider sehr schnell feststellen, dass der Herr an der Theke kein Wort Englisch sprechen konnte. Da mein Griechisch ja nun auch nicht soo berauschend ist, stammelten wir ein paar Minuten hilflos rum, bis er plötzlich zum Handy griff und irgendwen (ich weiß bis heute nicht, wen) anrief und mir das Telefon hinhielt. Ich erklärte dem fremden englischsprechenden Mann, was wir von seinem Freund wollten, gab ihm das Telefon zurück, ihm ging ein Lichtlein auf und er brachte uns zu dem Ort, zu dem wir wohl eigentlich gemusst hätten ;-)
Ich unterhielt mich dort mit dem Verkäufer, während Linda und Mr. "Ich spreche nur Griechisch" sich, auch ohne die Worte des anderen wirklich zu vertehen, über meine Größe lustig machen konnten (ich sage nur "Mikró, mikró!") und ein paar Minuten später veließen wir den Laden, endlich mit all den nötigen Fahrkarten im Gepäck - Athen konnte kommen! :-)
Wir ließen den Abend ruhig ausklingen, weil wir wussten, dass der nächste Tag hart werden würde und schliefen bis Sonntagmittag, frühstückten auf dem Balkon (wie auf dem Foto zu sehen, gefiel Linda auch das ;-)) und machten uns irgendwann am späten Nachmittag mit all unserem Gepäck auf den Weg in die Stadt, da wir vor unserer Abfahrt eigentlich noch hoch zur Burg wollten, um den Ausblick zu genießen, und wurden dort Zeugen eines unglaublichen Spektakels.
Erst wussten wir nicht, was los war und registrierten nur, dass die Hälfte der thessalonischen Männer in Kneipen und Bars saßen und Fussball schauten. Wir dachten, dass es vielleicht ein wichtiges Länderspiel sein müsste (bis uns einfiel, dass die Qualifikationsspiele für die WM ja schon lange gelaufen waren). Aber als wir durch eine kleine Straße liefen und auf der einen Seite die Männer aufsprangen und jubelten, während sich bei den Besuchern in der Kneipe auf der anderen Straßenseite Unmut breit machte, war uns klar, dass es zumindest irgendetwas Lokales sein musste. Wie lokal, sollten wir später erfahren - nicht einmal die Busfahrer waren richtig bei der Sache ;-)
Richtig verrückt wurde es, als wir im Zentrum angekommen waren. Voll besetzte Autos mit jubelnden Männern, Rollerfahrer, die hupten und Flaggen schwangen, vollgestopfte Busse mit Passagieren, die an jeder Haltestelle gröhlten, die Flaggen aus den Fenstern hielten, Horden von Männern, die Trikots trugen, Lieder sangen und mit ihren Schals rumwedelten. Unglaubliche Atmosphäre - es war schwer, sich nicht mitreißen zu lassen, obwohl man gar nicht wusste, um was es ging. Des Rätsels Lösung erhielten wir schließlich auf Nachfrage: Zwei (verfeindete) Fussballclubs aus Thessaloniki hatten gegeneinander gespielt und eine Mannschaft (nach hunderten Mannschaftsflaggen erinnert man sich auch an den Namen: Π.Α.Ο.Κ.) war siegreich ;-)
Die Burg haben wir im Dunklen übrigens leider nicht mehr gefunden und so machten wir uns unverrichteter Dinge auf den Weg zur Kamára, wo wir uns mit Nicolle trafen, die uns mit nach Athen begleiteten sollte, und machten uns schließlich zu Dritt auf den Weg zum Bahnhof.
In der Nacht von Sonntag auf Montag, um genau zu sein von 23:00 bis 5:45 Uhr, ging es dann also endlich mit dem Nachtzug nach Athen. Ob wir heile angekommen sind und was wir dort so alles erlebt haben, lest ihr im nächsten Blogeintrag... :-)

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