Mittwoch, 10. Februar 2010

Reden ist Silber,...

... Schweigen ist Gold. Daran hätte ich mich mal besser halten sollen, bevor ich auf die glorreiche Idee kam, allen stolz und vollkommen euphorisch zu erzählen, ich hätte eine Wohnung gefunden. Aus meinem wundervollen Zimmer mit Balkon und einer Aussicht, für die so mancher ordentlich in die Geldbörse greifen müsste, wurde nämlich doch nichts. Ja, Kommunikation will gelernt sein und eigentlich geht man bei Mitbewohnern davon aus, dass eine solche auch stattfindet. Wie ich am Montag leider herausfinden musste, ist das in nicht jeder WG der Fall - wie auch in der, in die ich hätte einziehen sollen. Mein "fast, aber jetzt doch nicht"-Mitbewohner schrieb mir in der Nacht von Sonntag auf Montag eine E-Mail, in der er mir mitteilte, dass ich das Zimmer doch nicht bekommen könnte. Wieso? Weil seine Mitbewohnerin das Zimmer bereits jemandem anderes versprochen hatte. Die E-Mail, in der sie ihm das mitteilte, wurde leider dezent überlesen und so geschah es, dass man mich in der Hoffnung wog, endlich eine Bleibe gefunden zu haben. Er hat sich reuevoll gezeigt und gefühlte tausend Mal bei mir entschuldigt, wovon ich mir natürlich nichts kaufen konnte (nicht mal für tausend), so dass er mir schon fast leid tat, aber eben nur fast. Ein Auszug aus der E-Mail, deren Betreff "Bad news (or: how you decided to kill me)" lautete und über die ich inzwischen schon fast wieder lachen kann: "Sorry sorry sorry again... If I were you, I would like to put a tic-tac bomb in my mailbox..." Ja, das lass' ich jetzt einfach mal unkommentiert im Raum stehen... ;-)
Nach dem zweiten herben Rückschlag in Sachen Wohnung, der mir zwar diesmal kein Geld, aber unzählige Nerven gekostet hat, schrieb ich eine E-Mail an die Erasmus-Beauftragte der Uni und teilte ihr mit, dass ich im Wohnheim bleiben möchte. Eine halbe Stunde später hatte ich die Bestätigung, dass ich für den gesamten Aufenthalt in Griechenland in meinem jetzigen Zimmer wohnen kann, was für mich bedeutet, dass ich weitere 4 1/2 Monate den Blick aufs Meer genießen darf. Zwar muss ich dafür nun die große Entfernung zur Uni in Kauf nehmen, aber immerhin muss ich mir nun keine Gedanken mehr darüber machen, ob ich in einer Woche auf der Straße schlafe oder nicht. Warum zum Teufel geht das nicht gleich so!?

Wenn mich diese Sache nicht so auf Trab gehalten hätte, hättet ihr auch schon viel früher erfahren, wie unser letzter Wochenendausflug in die antike Stadt Dion und das Bergstädtchen Litóchoro am Fuße des Olymp-Gebirges war. Um mal ein bisschen mit meinem Wissen zu prahlen: der Olymp ist nicht der Name des höchsten Berges, sondern die Bezeichnung für das gesamte Bergmassiv - die Gipfel haben nochmal jeweils eigene Namen. Wenn man also sagt: "Ich habe den Olymp bestiegen.", sollte man sich lieber etwas konkreter ausdrücken, andernfalls kann man sich damit ziemlich peinlich machen. Denn das Bergmassiv besteht natürlich aus vielen Bergen, aber eben auch aus vielen Hügeln... ;-) Leider hatten wir, wie auch schon bei unserem Ausflug nach Metéora, wieder einmal Pech mit dem Wetter. Wolkenverhangener Himmel, viel Regen und die niedrigen Temperaturen gingen uns ganz schön an die Nieren, aber wir versuchten, uns davon nicht die Stimmung verderben zu lassen. Insgesamt war es ein wirklich schöner und interessanter Ausflug, wenn auch die Zahl der Fotos sich in Grenzen hielt - die Wetterverhältnisse versauten einem so manches Motiv.
Die Führung in Dion gab uns eine waschechte Archäologin, die persönlich an den Ausgrabungen beteiligt gewesen ist und die ganzen kleinen und großen Schätze zu Tage befördert hat. Zu den großen Schätzen zählten auf jeden Fall die Überreste einer durch Wasserdruck betriebenen Bronzeorgel aus dem ersten Jahrhundert vor Christus (Foto), herrliche Bodenmosaike und riesige Statuen, Säulen, Grabsteine und Mobiliar (besonders beeindruckend fand ich die Statue auf dem Foto links. Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr, dass sie glitzert... wunderschön!). Nachdem wir uns zwei Museen mit den Fundstücke angeschaut hatten, durften wir das Gelände der Ausgrabung betreten. Aber versteht das jetzt bitte nicht, als wäre es ein großes Privileg - das Gelände ist ein einziges großes Freilichtmuseum und Ausgrabungen finden dort wahrscheinlich erst im Sommer wieder statt. Das, was die Archäologen dort ausgegraben haben, ist eine große Stadt mit Thermalanlage, großen öffentlichen Toilettenräumen (woran man, wie uns die Archäologin erzählt hat, erkennen kann, dass es sich bei der Stadt um eine Anlaufstelle für Touristen gehandelt haben muss), vielen Wohnhäusern und Kirchen. Natürlich ist alles nur noch in seinen Grundfesten erhalten, aber es wirkte immer noch äußerst beeindruckend. Das Ausgrabungsteam hat Kopien von den Fundstücken (beispielsweise Statuen) anfertigen lassen und sie exakt so auf dem Gelände positioniert, wie die Originale gefunden wurden. Unsere Guide sagte, dass man wahrscheinlich noch 300 Jahre mehr brauchen würde, um sich diesen Ort vollständig zu erschließen und ihm all seine Geheimnisse zu entlocken.
Während der gesamten Zeit in Dion ärgerte ich mich darüber, damals nicht mehr Zeit in die lateinische Sprache investiert und ein Archäologiestudium begonnen zu haben. Aber was nicht ist...
Nach der Führung ging es weiter nach Litóchoro. Bei gutem Wetter muss es dort einfach total schön sein. Litóchoro ist für den Olymp ungefähr das gleiche wie Torfhaus für den Harz - ein beliebter Startpunkt für Wanderungen ins Gebirge mit gemütlichen Tavernen, kleinen Shops und einem unschlagbaren Blick auf die Berge. Ich habe auf jeden Fall vor, im Sommer dort wandern zu gehen. Vielleicht schaffe ich es auch auf einen der drei höchsten Gipfel. Den Höchsten habe ich für mich zwar schon ausgeschlossen, weil es für unerfahrene Wanderer ziemlich gefährlich sein soll, aber hey! Das ist der Götterberg! Irgendwie gehört das ja doch zu den Dingen, die man mal gemacht haben muss :-)

Heute hatten wir unseren vorletzten Sprachkurstag vor der Klausur. Bis einschließlich Montag haben wir jetzt frei, der Dienstag wird wohl der Wiederholung dienen und am Mittwoch ist es dann soweit. Ω, θεέ μου! - bin ich froh, wenn ich diese Klausur hinter mir habe (und bestehe. Bitte.). Das Ergebnis bekommen wir übernächsten Montag - schade nur, dass ich da schon in Athen sein werde ;-) Pünktlich zum Ende des Sprachkurses am Freitag kommt mich nämlich mein "I-Amt-Super-Hiwi" Linda besuchen und wir wollen für ein paar Tage Griechenlands Hauptstadt unsicher machen. Aber bevor es so weit ist, habe ich noch ein paar harte Tage Lernerei vor mir. Und am Freitag und Samstag geht es dann noch auf den letzten Wochenendausflug...
So, ich werde dann mal eben nach meiner Wäsche schauen und mich danach für meine letzte cultural lesson (Thema: The greek weddings in the movies - klingt viel versprechend!) fertig machen. Gleich im Anschluss geht es dann auf die Einweihungsparty der Wohnung zweier Mädels aus meinem Sprachkurs.
Wie ihr lesen könnt, werden die nächsten Tage wieder unglaublich voll. Ich weiß also nicht, wann ihr das nächste Mal von mir hören werdet - aber ihr werdet von mir hören ;-)

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