Freitag, 5. Februar 2010

Das Chaos legt sich

Zumindest so langsam. Für alle diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben (was nicht viele sein werden, da ich fast alle Leute deswegen 'vollgeheult' habe): Die Wohnung, in die ich eigentlich am Montag hätte einziehen wollen und sollen, werden wir jetzt doch nicht nehmen. Nachdem die gute Frau Vermieterin doch noch eine Kaution haben wollte, von der am Anfang keine Rede war, teilte sie uns mit, dass wir (warum auch immer) nicht vor Anfang März Strom bekommen würden. Ich bin ja davon überzeugt, dass das gelogen war und sie uns nur nicht in der Wohnung haben wollte, aber gut. Wer das Geld nicht braucht... Die Nachricht bekam ich übrigens erst, nachdem ich bereits mit meinen ganzen Sachen aus dem Wohnheim aus- und in die Wohnung eingezogen war, was dazu geführt hat, dass ich eine halbe Woche zwischen zwei Unterkünften hin und her gependelt bin. Der Knaller nach dieser an sich schon unterirdischen Aktion seitens der Besitzerin folgte dann vorgestern, als sie uns mitteilte, dass sie die Schlösser unserer Wohnung austauschen würde, sollten wir (also eigentlich nur ich, da die beiden anderen Mädels glücklicherweise noch nicht umgezogen waren) nicht sofort unsere Sachen abholen.
Ich musste diese Woche also drei Mal den Sprachkurs ausfallen lassen, nur wegen dieser... naja, vielleicht lesen den Blog durch Zufall ja auch Kinder :-) Die erste Monatsmiete, die wir bereits bar bezahlt hatten, bekamen wir glücklicherweise wieder - jedenfalls fast. Sie hat doch tatsächlich von jedem von uns 10 € einbehalten, um die Schlösser auswechseln zu lassen. Wir hätten ja die Schlüssel nachmachen lassen können... Wenn ihr mich fragt, die Frau hat eindeutig ein paar Gläschen Ouzo zu viel getrunken.

Zum Glück konnte ich wieder zurück ins Wohnheim und darf dort auch noch bis zum Ende des Sprachkurses, also bis zum 19. Februar, bleiben. An dieser Stelle darf ich auch gleich stolz verkünden, dass ich inzwischen ein WG-Zimmer gefunden habe. Die Wohnung liegt im Bergviertel von Thessaloniki und ich habe von meinem Balkon aus eine wundervolle Aussicht über die Stadt, die Bucht und das Olymp-Gebirge. Nachts darf ich den Blick auf den Hafen und die vielen beleuchteten Schiffe genießen... Und ich trage ein bisschen zur deutsch-französischen Freundschaft bei, denn meine beiden Mitbewohner sind Franzosen. Matthieu habe ich bereits gestern getroffen, als ich mir die Wohnung angeschaut habe, die Dritte im Bunde (Sophia) werde ich dann kennenlernen, wenn ich Ende übernächster Woche einziehe. Ich bin mit der Wohnung mehr als zufrieden. Waschmaschine, Badewanne, Balkon und ein supergemütliches vollständig möbliertes Zimmer, welches ich mir auch noch aussuchen durfte - was will ich mehr?
Und jetzt, da alle meine Sachen wieder in meinem Zweierzimmer im Wohnheim sind, das ich ja nun ganz für mich alleine habe, fühle ich mich auch wieder wohler, was man auf dem Foto wohl gut erkennen kann...

Dass sich die Situation doch noch so positiv entwickelt hat, musste natürlich gebührend gefeiert werden. Wie praktisch, dass hier gerade Karnevalszeit ist, in Griechenland ein ganz großes Ding. Alle Clubs und Bars an der Promenade sind geschmückt, überall liegen Luftschlagen und Glitzerschnipsel rum und jeden Tag wird in der ganzen Stadt gefeiert - bis Ende übernächster Woche ;-) Wir haben uns also gestern um 22 Uhr an der Kamára getroffen und sind dann weitergezogen auf den Aristotelous square, auf dem die eigentliche Party gestiegen ist. Mit Live-Musik, vielen lustig verkleideten Menschen und einer Menge ekligem, weißen Sprühschaum, von dem wir alle im Laufe des Abends mindestens einmal eine Fuhre abbekommen haben, tanzten und feierten wir, bis wir dann irgendwann in einen Club am Hafen gelandet sind. Da ich leider dazu gezwungen war, heute zum Sprachkurs zu gehen (vier Tage griechische Grammatik zu verpassen ist so ziemlich das unünstigste, das einem passieren kann), habe ich mich leider bereits um halb 2 auf den Weg nach Hause machen müssen (meine Füße haben es mir allerdings gedankt).
Zu spät gekommen bin ich heute natürlich trotzdem eine halbe Stunde, was aber immer noch besser ist, als gar nicht zu kommen. Das haben nämlich ziemlich viele getan. In unserer Gruppe konnte man noch relativ gut arbeiten (im ersten Unterrichtsblock waren wir zu fünft, nach der Pause wurden wir dann doch noch acht), die Lehrerin der anderen Gruppe erlitt allerdings fast einen Nervenzusammenbruch, als sie in den ersten 1 1/2 Stunden Privatunterricht für eine einsame Tschechin geben musste, die nicht auf der Party gewesen war ("Where the hell are my students!?") und auch nach der Pause nur Johannes dazu kam, der kurz nach dem Treffen am Vortag an der Kamára wieder zurück nach Hause verschwand, um zu schlafen ("I'll kill them all!"). Da denkt man sich natürlich... Wieso ist man(n) ausgerechnet nach so viel Schlaf so unpünktlich? Leider hat der Gute erst im Wohnheim erfahren, dass dort eine Party veranstaltet wurde und bekam kein Auge zu. Tja, wäre er mal mit uns gegangen... ;-)
Das war's auch schon wieder von mir. Morgen haben wir einen weiteren Tagesausflug. Diesmal geht es nach Dion und Litóchoro, zwei kleine Städtchen (oder eher Dörfchen) am Fuße des Olymp. Ich bin schon sehr gespannt und hoffe auf gutes Wetter, damit ich euch in meinem nächsten Blogeintrag ein paar schöne Fotos präsentieren kann. Aber nach zwei wunderschönen Tagen mit strahlend blauem Himmel, viel Sonne und angenehmen Temperaturen gab es heute leider nur tristes Grau und viel, viel Regen... Hoffen wir das Beste!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen