Seit Montagmorgen bin ich wieder zurück in Thessaloniki und eigentlich immer noch nicht in der Lage, diese ganzen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Kam mir Griechenland in den ersten Wochen und Monaten schon so anders vor, war Istanbul ein regelrechter Kulturschock. Allerdings durchweg im positiven Sinne, wie ich eindeutig betonen will!
Der erste Part unserer Reise war die Busfahrt - und was für eine! Über 10 Stunden einsam durch die Nacht. Doch der Bus besaß jeden erdenklichen Comfort: Eine Toilette, weit zurückstellbare Schlafsitze, an der Rückenlehne des Vordersitzes jeweils ein Bildschirm mit wahlweise Kinderprogramm, Blockbustern, Nachrichten oder schwachsinnigen TV-Shows, ein Freigetränk und ein kleines Dessert gratis. Leider wurde durch all diese kleinen und größeren Aufmerksamkeiten die Busfahrt auch nicht kürzer und die ständigen Pausen machten das Einschlafen für viele von uns nahezu unmöglich. Der Grenzübergang gegen zwei Uhr in der Frühe setzte dem Ganzen dann noch seine Krone auf. Passkontrolle auf griechischer Seite und, als ob das nicht schon genug gewesen wäre, der ganze Bus inkl. Gepäck wurde gefilzt. Rund eine Stunde mussten wir warten. Dann ging es
Der Rest der Fahrt verlief sehr ruhig, aber auch sehr schlaflos. Ich war froh, als gegen 6 Uhr endlich die Sonne aufging und man die Landschaft an sich vorbeiziehen sehen konnte. Das erste, was auffiel, waren die Minarette der Moscheen, die man in jeder Stadt aus dem Häuserwald ragen sah. Als wir am frühen Morgen in die Metropole einfuhren, konnte niemand von uns sein Staunen verbergen. Plötzlich waren die Minarette nicht mehr der Bezugspunkt für das Auge wie in den kleineren Städten zuvor - jetzt waren die Minarette selbst der Wald. In 500-Meter-Abständen, oft war er auch geringer, standen die Moscheen beieinander und der Islam umgab uns plötzlich überall, war sicht-, fühl- und vor allem hörbar.
Das Ganze wirkte zu Beginn etwas befremdlich auf uns, aber als wir die Stadt am Sonntag verließen, gehörten die Moscheen für uns schon vollkommen selbstverständlich zum Stadtbild und ich muss sogar sagen, dass ich diese wunderschönen Bauwerke und die Gebetsrufe des Muezin ein wenig vermisse... Warum? Weil sie der Stadt einfach eine unglaubliche Atmosphäre verschaffen.
Ein Shuttlebus brachte uns ins Zentrum Istanbuls und da standen wir nun mit unserem Gepäck, mit Geld in unseren Portemonnaies, das uns nichts nutzte, und ohne Unterkunft. Aber eine Wechselstube war schnell gefunden und so zogen wir ein Ticket für die Straßenbahn, um ein paar Stationen zu fahren, wo wir einige Hostels von unserer Internetrecherche in Erinnerung hatten. Die ersten drei Tram-Bahnen waren so überfüllt, dass wir nicht einmal die Möglichkeit hatten, einzusteigen - kein Wunder, denn es war halb 9 und Millionen von Menschen waren auf dem Weg zur Arbeit. Die vierte Bahn war sehr voll, doch mit Schieben passte auch der letzte von uns hinein und wir fuhren los. Wir stiegen aus an der Haltestelle Sultan Ahmed und nach einigen Metern sahen wir auch schon eine der (wenn nicht die) Hauptsehenswürdigkeiten Istanbuls, die Blaue Moschee oder auch S
Wir liefen durch einige kleinere Straßen auf der Suche nach einem Hostel, als uns ein sehr freundlicher Cafébesitzer ansprach, ob wir uns nicht auf einen Kaffee in sein Café setzen wollen. Wir verneinten, fragten aber dreisterweise nach einem bestimmten Hostel und was dann geschah, gab uns einen kleinen Vorgeschmack auf die Mentalität der Türken. Er winkte uns herein, fragte seine Mitarbeiter nach dem Hostel und als er damit nicht weiterkam, suchte er im Internet nach der Adresse und rief im Anschluss sogar im Hostel an, handelte Preise aus und reservierte uns ein Zimmer. Dann schenkte er uns einen Stadtplan, markierte den Standort des Hostels und erklärte uns ungefähr sieben Mal, wie wir von seinem Café zum Hostel kommen würden, verabschiedete sich und wünschte uns alles Gute. So viel Gastfreundlichkeit gepaart mit so viel Uneigennützigkeit habe ich lange nicht mehr erlebt :-)
Das Hostel war schnell gefunden, wir bekamen ein Fünferzimmer für 7.50 € pro Nacht und fielen vollkommen erschöpft in unsere Betten (zwischen denen gerade genug Platz war, um seine Sachen dort abzustellen - leider habe ich vergessen, ein Foto zu machen). Doch schon drei Stunden später rafften wir uns wieder auf und machten uns auf einen ersten Streifzug durch die Stadt.
Wir genossen den Anblick der Blauen Moschee und der Hagia Sofia, die gleich nebenan stand, zunächst nur von Außen, verirrten uns in die kleinen Straßen und sahen
Im Anschluss kehrten wieder zurück zu dem Platz, auf dem die Blaue Moschee errichtet wurde, stärkten uns mit einem kleinen Snack (bestehend aus einem gesalzenem Maiskolben und den ersten Esskastanien, die ich je gegessen habe - sehr zu empfehlen, erstaunllich nussig ;-)) und setzten uns in die Sonne.
Ein älterer Herr kam auf uns zu und schien sehr erregt zu sein. Er zeigte auf Nicolle, die gar nicht wusste, wie ihr geschah. Theres, die schon einmal in Istanbul war, merkte allerdings schnell, was den Mann so aufregte. Nicolles Jacke war sehr kurz und ihre Hose saß im Sitzen sehr tief - man sah einen Teil ihres Rückens. Das war für den Herren ein bisschen zu viel Freizügigkeit. In den folgenden Tagen sah man Nicolle hin und wieder an ihrer Jacke herumzuppeln ;-)
Für mich war das eine sehr neue und auch irgendwie komische Erfahrung. Als Gäste in diesem Land allerdings richteten wir uns natürlich nach den hiesigen Regeln und Gewohnheiten und zumindest ich fühlte mich dadurch auch nicht besonders eingeengt oder in meinen Freiheiten zu stark beschnitten. Aber in gewisser Weise wurde es schon zu einem Problem, da nicht nur ich einfach wahllos irgendwelche Sommerkleidung in den Rucksack gestopft hatte. Drei Oberteile, davon zwei schulterfrei - damit kamen wir nicht weit. Also wurde am nächsten Stand ein Schal gekauft, den man sich bequem über die Schultern legen konnte. Dass ich meinen Schal für 5 € gekauft habe, Eva ihren für nur 3 € erstanden hat, zeigt übrigens sehr deutlich, wer Verhandlungsgeschick besitzt und wer für solche Dinge einfach nicht dreist genug ist ;-)
Um vor dem Abendessen noch etwas Produktives zu tun, entschlossen wir uns, die Blaue Moschee zum Abschluss
Wir suchten uns ein nettes Restaurant in der Nähe und dem Charme von fünf jungen Damen konnte kaum jemand widerstehen. Wir bezahlten letztendlich ca. 15 Lira, was umgerechnet etwa 7 Euro sind und bekamen dafür sehr gutes Essen - ein riesiges (mit riesig meine ich riesig, ihr könnt euch auf dem Foto gerne davon überzeugen) türkisches Brot und Dips gingen aufs Haus.
Mit gefüllten Mägen ging es dann gegen 22 Uhr wieder zurück ins Hostel. Die schlaflose Nacht im Zug steckte uns noch immer in den Knochen und so waren wir alle froh, endlich in unseren Betten zu liegen. Der Plan für den nächsten Tag stand bereits fest und so schlummerten wir voller Vorfreude schnell ein.

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