Schreibexkursion. Das hört sich zwar
Kaum waren wir in der Stadt angekommen und hatten unser Gepäck im Hotel abgelegt, als es auch schon zu Fuß auf Erkundungstour ging. Unser erster Stopp war das Heimatmuseum, in dem man uns einige geschichtliche Informationen zur Stadt gab. Danach streiften wir durch die Ausstellung. Das Haus, das ursprünglich einer reichen Familie gehört hatte, ist jetzt ein Museum, in dem man mit nachgestellten Szenen (Puppen in damaligen Trachten, Feldwerkzeuge, Raumausstattung, ...) versuchte, die Atmosphäre von damals ins Heute zu transferieren. Küche, Kinderzimmer, der Keller mit den Arbeitsräumen, das Hammām im Freien, ... Über eine dieser Szenen mussten wir einen Text schreiben, dann ging es wieder ins Freie.
Unser nächster Stopp war der zentrale Platz, die Kentriki Plateia, auf der wir uns für eine halbe Stunde einen Platz suchen, Menschen beobachten und einen Text ver
Danach waren alle ausgelaugt und unsere Dozentin hatte Erbarmen - vorerst. Sie verschob das gemeinsame Lesen der Texte auf die Zeit nach dem Essen und so machten wir uns auf die Suche nach einer Taverne. Wir saßen draußen zwischen Bäumen, in die man kleine Lämpchen gehängt hatte, griechische Musik aus den Lautsprechern schallte und tranken Wein, diskutierten über das Reisen, über das Schreiben, über das Schreiben über das Reisen und lasen unsere Texte. Danach freuten wir uns schon darauf, noch auf einen Drink auszugehen und, erschöpft wie wir waren, in unsere Betten zu fallen, doch unsere Dozentin hatte noch eine Überraschung auf Lager: Nicht, dass wir nur noch zehn Minuten Tagebuch vor dem Schlafengehen schreiben mussten, nein! Sie teilte uns auch noch eine Kopie von Goethes Gedicht an den Mond aus und sagte munter: "Setzt euch auf den Balkon, auf die Straße, ins Café oder sonstwo hin, wo ihr den Mond seht - und schreibt das Gedicht um zwei Strophen weiter. Denkt an den Reim!"... Reim. 23 Uhr abends. Wein. Nicht gut.
Etwas ungläubig verließen wir die Taverne und hielten auf dem Weg zu einer Bar die Augen offen und suchten den Himmel nach dem Mond ab. Doch nichts zu sehen. Neumond? Wolkendecke? Weiß der Teufel.
Und so verscheuchten wir den Mond aus unseren Gedanken und gönnten uns stattdessen noch einen Bacardi, bevor wir gegen halb 1 wieder Richtung Hotel stapften.
Im Bett wurde dann noch schnell ein Tagebucheintrag aufs Papier geschmiert, doch das Gedicht erwies sich als ec
Schonmal versucht, ein goeth'sches Gedicht fortzuführen und dabei seinen Stil beizubehalten, ohne, dass es lächerlich klingt? Nun, vielleicht war es dem Alkohol zu verdanken, dass es doch noch ganz gut geklappt hat. Aber eines weiß ich nun: zur Lyrikerin bin ich ganz sicher nicht geboren ;-)
Der Folgetag begann früh, um 8 Uhr klingelte der Wecker. Es war ausgemacht, dass alle um spätestens 9 beim Frühstück sitzen würden - zehn Minuten Tagebuch direkt nach dem Aufwachen und die beiden Aufgaben vom Vorabend natürlich schon zum Tisch mitgebracht. Letztendlich war nur die von Natur aus immer pünktliche Deutsche und die Griechin, die allerdings deutsche Eltern hat, pünktlich am Tisch. Die Griechinnen ließen sich Zeit. Und so machten wir uns tatsächlich erst um 11:30 auf den Weg, obwohl 10 Uhr geplant war ;-)
Der Weg führte uns diesmal in die Neustadt, wo die noch erhaltenen Tabaklagerhallen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stehen. Der Plan: Hallen besichtigen, Informationen über die Tabakindustrie einholen und einen wissenschaftlichen Reisebericht schreiben. Und das taten wir auch. Nachdem wir uns einige Tabakhallen von Außen angeschaut hatten und der Stiftung für Trakische Kunst und Tradition, die drei der noch erhaltenen Hallen gekauft hat und diese nun als kulturelle Veranstaltungsorte benutzt, ein
Wir besuchten die berühmte Konditorei Papaparaskevas, die in ganz Griechenland für ihre kleinen uund großen essbaren Kunstwerke bekannt ist. Sie vertreiben ihre Produkte in ganz Griechenland (was bedeutet, dass ihre Produkte in vielen Zuckerbäckereien in ganz Griechenland zu finden sind), besitzen aber selbst nur diese eine Filiale - zugunsten der Qualitätssicherung. Unsere Aufgabe: uns durchs Sortiment futtern und einen Werbetext schreiben. Na, das nenn' ich mal Arbeit, die Spaß macht ;-) Und so probierten wir hier und dort, ließen uns erklären, was alles in den Süßigkeiten verarbeitet ist und wie sie heißen.
Zurück im Hotel bekamen wir zehn Minuten Zeit, um einen kurzen Werbetext zu schreiben und verabschiedeten uns dann in unsere wohlverdiente Pause, während der wir in einer weiteren Zuckerbäckerei die xanthische Spezialität probierten: Sousoukloukoum (so wird es zumindest ausgesprochen). Sehr... gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht :-) Erinnerte mich ein bisschen ans Türkish Viagra! Graue, gelartige Masse mit Puderzucker bestäubt und in der Mitte verschiedene Füllungen (in meinem Falle war es Walnuss).
Dann ging es auch schon wieder in Richtung Bahnhof, denn der letzte Zug nach Thessaloniki fuhr um 17 uhr. Wir freuten uns auf eine ruhige Zugfahrt, aber unsere Dozentin wedelte schon wied
erneut zweimal je zehn Minuten Tagebuch schreiben, uns unsere Lieblingsstelle aus dem Buch, das wir lesen sollten, aussuchen und begründen, warum es unsere Lieblingsstelle ist und einen Gegentext zu Tucholskys Die Kunst, falsch zu reisen - ergo Die Kunst, richtig zu reisen schreiben. Als wir dann endlich in Thessaloniki angekommen waren, gab es als Abschiedsgeschenk noch die letzte Schreibaufgabe. Jaja, da behaupte noch mal einer, ein Erasmus-Auslandssemester sei nur Urlaub... ;-)
Aber auch, wenn es wahnsinnig anstrengend war, hat es sehr viel Spaß gemacht und war sehr interessant. Es sind schöne Texte dabei rausgekommen, rund 20 Seiten, und ich bin gespannt, welche Note dafür in mein Studienbuch flattert :-)

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