Freitag, 28. Mai 2010

Roadtrip durchs Paradies

Nachdem uns von allen Seiten vorgeschwärmt wurde, wie schön die Halbinsel Chalkidiki sei und wir uns endlich auf ein Wochenende, an dem wir alle Zeit hatten, einigen konnten, mieteten wir uns ein Auto und fuhren über's Wochenende auf den "zweiten Finger" Chalkidikis, Sithonia. Wir fuhren nicht wirklich motiviert los, denn egal, welchen Wetterbericht wir auch anschauten, alle sagten schlechtes Wetter für die kommenden zwei Tage voraus. Und tatsächlich - als wir losfuhren, war der Himmel grau und eine dicke Wolkenschicht hing über uns.
Doch je näher wir unserem Ziel kamen, desto besser wurde zu unserer Freude das Wetter. Mit ordentlicher Musik, heruntergekurbelten Fenstern und zu fünft in der kleinen Blechbüchse eingeklemmt fuhren wir durch das Land, genossen die wunderschöne Landschaft Sithonias, stoppten, wo immer uns etwas gefiel - Strände, Städte, Aussichtspunkte - und umrundeten beinahe die gesamte Halbinsel. Die Straße führt einmal um Sithonia herum, fast immer war das Meer, das blaue schöne, in Sichtweite - und wenn nicht, waren es Berge und Wälder. Landschaftlich ist dieser Teil Chalkidikis wohl der schönste.

In Nikiti machten wir kurz Halt, setzten uns in ein Strandcafé und aßen unser Sandwich, machten eine kleine Tour mit dem Auto durch die Oberstadt, wo fast ausschließlich traditionelle, griechische Steinhäuser stehen, da dieser Teil der Stadt die erste Siedlung auf Sithonia war. Wir kämpften uns die schmalen Gässchen hinauf, passierten Häuser, in deren Vorgärten dicht an dicht Blumen in den unterschiedlichsten Farben und Formen wuchsen und fanden schließlich wieder den Weg zurück auf den Highway.
Ein paar Stunden Autofahrt später landeten wir an einem sehr schönen Strand, der zu einem Campingplatz gehört, auf dem im Sommer viele Studenten unserer Uni günstig Urlaub machen (Armenistis - Aaah, Helena, ich freu' mich auf dich! :-)). Der Blick auf über Meer war atemberaubend. Man sah den Berg Athos, von der Höhe etwa mit dem Olymp zu vergleichen, mit seinem schneebedeckten Gipfel auf der anderen Seite, während wir, inzwischen knallte die Sonne vom strahlend blauen Himmel auf uns herab, das taten, was getan werden musste: wir legten uns in die Sonne, badeten im Meer (und stellten dabei fest, dass es sich schon so stark aufgeheizt hatte, dass man den Unterschied an seinen Füßen merkte, die tief unten im kalten Wasser steckten, während der Oberkörper im pinkelwarmen Wasser an der Oberfläche schwamm), legten uns wieder in die Sonne - kassierten mal wieder einen Sonnenbrand - und machten uns schließlich gegen Abend auf den Weg nach Sarti, die Stadt, in der wir die Nacht verbringen wollten.

Dort fanden wir ein sehr gutes Hotel für 10€/Nacht, die Zimmer ausgestattet mit Fernseher und sogar einer kleinen Küche! Der Kühlschrank sprang uns natürlich sofort ins Auge und schon standen wir im Supermarkt, deckten uns mit alkoholischen Getränken ein, stellten sie in den Kühlschrank und machten uns danach auf den Weg in eine Taverne, mit dem Wissen, dass zu Hause eisgekühlte Drinks auf uns warten würden ;-)
Die Taverne, die wir ausgesucht hatten, lag direkt am Meer. Unser Tisch und unsere Stühle standen im Sand, über uns ein Strandschirm, das Rauschen des Meeres und Tavernen-Flair um uns herum - einen besseren Ort für ein Abendessen kann man sich nicht vorstellen, es war einfach traumhaft :-) Wir aßen diesmal auf griechische Art: einfach bestellen, alles wird geteilt - Getränke, Hauptgerichte, Salate, Tzatziki, Brot und am Ende gab es einen Nachtisch aufs Haus.
Vollkommen zufrieden kehrten wir auf unsere Zimmer zurück, spielten zwei Stunden lang Trinkspiele, wechselten schon gut angeheitert in einen Club, in dem allerdings so schlechte Musik gespielt wurde, dass wir ihn nach einer halben Stunde wieder verließen, machten einen Spaziergang am Strand, mitten in der Nacht, gingen im Meer baden, mitten in der Nacht, und fielen danach vollkommen müde in unsere Betten.

Der nächste Tag unterschied sich nicht sehr stark vom vorherigen. Wir aßen unser Frühstück - natürlich ebenfalls am Strand, man muss ja das Ambiente ausnutzen - machten noch einen Strandspaziergang (auf dem ich einem monströsen Seeigel das Leben rettete, indem ich ihn aus der brütenden Sonne befreite und zurück ins Meer geförderte - jeden Tag eine gute Tat ;-)) und schon schwangen wir uns wieder ins Auto und erkundeten weiter die Halbinsel. Unsere Augen konnten sich nicht satt sehen - zu viel Schönheit auf einmal. Ich genoss die Zeit so sehr und mir wurde klar, dass das eine Form des Reisens war, die ich wohl monatelang durchziehen konnte. Rein ins Auto und das Land erkunden, stoppen, wo es einem gefällt, unabhängig sein von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wir erhielten einen "Geheimtipp" von dem Mitbewohner von Theres, ein traumhafter Strand - nicht ausgeschildert, die Abfahrt ein unbefestigter Weg durch den Wald, ruhig, touristenfrei. Das klang genau nach dem, was wir suchten. Doch gefunden haben wir diesen Traumstrand leider nicht, auch, wenn wir lange nach ihm suchten. Dafür fanden wir einen anderen Strand, sehr versteckt, wunderschön und auch keine Menschenseele außer uns. Er war in viele kleinere Buchten unterteilt, man konnte von einer zur nächsten wandern, doch wir präferierten das "einfach nur in der Sonne liegen" ;-)

Es fiel uns schon ein bisschen schwer, am Abend unser Lager abzubrechen und uns wieder auf in Richtung Thessaloniki zu machen. Doch Zeit für einen Stopp, um zum Abschluss noch gemeinsam etwas zu essen und zu trinken, war natürlich trotzdem noch und so landeten wir am Ende wieder dort, wo unsere Sinthonia-Rundreise begonnen hatte: in Nikiti in einer Strandbar bei einem Toast.
Das war er also, der letzte gemeinsame Ausflug unserer Mädelsgruppe. So langsam fangen wir an, uns wieder auf den Weg in unsere Heimatländer zu machen. Theres macht den Anfang, schon nächsten Donnerstag ist sie wieder zurück in Berlin, Eva und Nicolle verschwinden fürs Inselhüpfen und dann... ja, dann komme auch schon ich wieder. Nämlich in exakt 30 Tagen! :-)

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