Sonntag, 24. Januar 2010

As white as milk and as fat as cheese

So hatte in der Antike die perfekte griechische Frau auszusehen - hat uns zumindest unsere Museumsführerin erzählt. Aber in einem Land wie Griechenland, so möchte ich meinen, ist das ein nicht ganz so einfaches Unterfangen (ich meine damit natürlich vorrangig die Blässe). Auf unserem Tagesausflug nach Vergina machten wir zum Ende hin kurz Halt in der Stadt Veroia. Auf einem Platz in der Nähe des Busparkplatzes stand die Statue einer jungen Frau, die vollkommen entblößt war. Das einzige Kleidungsstück, das sie trug, war ein Hut, der sie vor der Sonne schützen sollte, damit sie ihre natürliche Blässe behielt... Andere Länder, andere Sitten - und vor allem andere Zeitalter: Heutzutage pilgern junge Mädchen scharenweise ins Sonnenstudio, um sich selbst im Winter den Sommer auf die Haut zu holen (und den Krebs gleich dazu, aber ich will hier ja nicht den Moralapostel spielen).
Das Stichwort Winter bringt mich gleich zu meinem nächsten Thema, denn dieser ist letztes Wochenende nach langer Verzögerung auch in Griechenland angekommen. Als wir am Samstagmorgen aufgestanden sind und aus dem Fenster geschaut haben, fielen doch tatsächlich winzige Flöckchen vom Himmel. Nicht viele und sie haben es auch nicht auf den Boden geschafft, aber in Vergina, das höher liegt als Thessaloniki, nämlich am Fuße des Pieria-Gebirges, lagen an einigen Stellen schon mal ein oder zwei Zentimeterchen. Er mutet schon ein bisschen komisch an, der Schnee in Griechenland. Schneebedecke Palmen zählen für mich ohne Frage zu den groteskesten Dingen, die ich je gesehen habe.
Der Ausflug war übrigens sehr interessant! Vergina (bzw. das, was die Archäologen ausgegraben haben) ist vermutlich einmal die Hauptstadt des mazedonischen Königreichs gewesen. Der griechische Archäologe Manolis Andronikos fand an diesem Ort drei große Gräber (Nekropolen), von denen eines Phillip II., dem Vater von Alexander dem Großen, zugeschrieben wird. Die anderen beiden sind von einem jungen Prinzen und einer Frau namens Perséphone. Die Gräber waren einfach unglaublich - Säulen, Malereien und unzählige Grabbeilagen (Rüstungen, goldene Truhen mit den Gebeinen, goldene Königskränze, Mobiliar mit wunderschönen Verzierungen aus Elfenbein und Glas,...). Ich war einfach nur überwältigt von diesem Museum, das übrigens zu den beeindruckendsten in ganz Griechenland zählt, und hätte gerne ein paar Eindrücke mit euch geteilt, aber leider wurde sehr penibel darauf geachtet, dass keine Fotos geschossen wurden, nicht einmal ohne Blitz.

As fat as cheese war übrigens auch das Fettnäpfchen, in das ich um halb vier in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf dem Weg nach Hause noch getreten bin. Wir haben erst in den Geburtstag von einer Deutschen aus unserem Sprachkurs reingefeiert und dann die halbe Nacht in einer sehr netten, alternativen Studentenbar (Foto) verbracht. Auf dem Rückweg bekam Jianna Hunger und so statteten wir einer Gyrosbude noch einen Besuch ab. Wir saßen also auf den Barhockern während wir auf das Essen gewartet haben und haben uns auf Deutsch unterhalten. Irgendwann habe ich zu Jianna gesagt, dass ich lieber einen der armen Straßenhunde mit nach Hause nehmen würde als einen Kerl von hier, da die Männer hier ja nicht so das Wahre wären. Wir verabschieden uns mit einem griechischen Γεια σας und einer der beiden jungen Männer grinst uns an und sagt "Schönen Abend noch, Mädels." Ja, vielleicht sollte man manche Dinge besser einfach mal für sich behalten...

Gestern besichtigten wir das Byzantinische Museum der Stadt. Aber so lustig ich unsere Museumsführerin manchmal finde und so intelligent sie auch sein mag (ich sage nur: dutzende Filmproduktionen, sieben Buchveröffentlichungen und eine Museumsführung für Wladimir Putin persönlich), aber drei Stunden für fünf Räume war definitiv etwas zu viel des Guten. Irgendwann sahen die Ikonographien für uns alle gleich aus, doch trotzdem blieb diese Frau vor jeder stehen und laberte und laberte und laberte. Aber hübsch anzusehen waren die Bilder, Mosaike und Wandmalereien trotzdem. Ich glaube, auch in dieses Museum muss ich noch einmal gehen, um hinterher wirklich etwas mitzunehmen. Ihr zu folgen ist nicht immer leicht...
Aber wo ich schon mal bei unserer Museumsführerin bin, kann ich auch gleich noch eine kleine Anekdote hinterherschieben: Nachdem sie uns am Samstag darauf hingewiesen hatte, dass einer ihrer Filme am Folgetag im Fernsehen zu sehen sei, fragte sie uns gestern, wer von uns ihn sich denn angesehen habe. Da keines der Wohnheime so einen Luxusgegenstand wie einen Fernseher besitzt, fiel die Antwort ziemlich kleinlaut und mit gesenkten Köpfen aus. Daraufhin schlug sie uns vor, mal eine Nacht in einem Hotel mit Fernseher zu übernachten, um uns ihren Film anzusehen ;-) Hmm ja ne, is' klar...

So, und zum Schluss noch eine erfreuliche Neuigkeit für alle, die mich gerne besuchen kommen wollen: Meine Zeit im Wohnheim findet in (hoffentlich nicht mal) zwei Wochen ein Ende, denn: Ich habe ein WG-Zimmer gefunden :-) Ich wohne mit Nicolle und Eva aus meinem Sprachkurs (die beiden Mädels rechts auf dem Gruppenfoto) in einer Dreizimmerwohnung direkt im Zentrum der Stadt - zehn Minuten Fußweg zur Uni, fünf Minuten bis ans Meer und nur einen Katzensprung entfernt von den Treffpunkten der Stadt, der Kamara und der Rotonda.
...Das bedeutet für mich: heißes Wasser, funktionstüchtige Heizung, frisch renoviertes Badezimmer mit Badewanne, ein riesiger Kleiderschrank - und das Ganze preiswerter als mein Wohnheimzimmer.
...Das bedeutet für euch: sofern ihr euch mit Isomatte und Schlafsack oder (im besten Fall) mit Sofa zufrieden gebt, braucht ihr kein Geld für Übernachtungen im Hostel/Hotel ausgeben!
Das Lustige ist übrigens, dass ich die Wohnung noch nicht einmal gesehen habe, ich weiß das alles nur aus Erzählungen meiner Mitbewohnerinnen. Aber nächste Woche kann ich die Aussagen hoffentlich alle bestätigen und dann gibt es auch ein paar Fotos ;-)

Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, ein so günstiges Zimmer (160 € warm) gefunden zu haben, denn aus dem Wohnheim hätte ich in den nächsten Wochen sowieso raus gemusst, wenn ich nicht eines schmerzhaften Kältetodes hätte sterben wollen. Die Zustände hier sind wirklich nicht zum Aushalten (und das hat auch nichts mehr mit "Du bist einfach zu viel Luxus gewohnt" zu tun). Letzte Nacht konnte ich zwar mal wieder durchschlafen, nachdem ich die Nacht davor jede halbe Stunde aufgewacht bin, weil mir so kalt war, aber auch nur, weil ich mit vier Decken und einem Pulli geschlafen habe. In unserem Wohnheim werden gerade sehr viele krank, weil das Wasser so gut wie immer kalt ist und man danach in einem kalten Zimmer einschläft; und draußen ist es natürlich auch nicht wärmer. Gestern hatten meine Mitbewohnerin und ich Glück, denn wir waren so ziemlich die einzigen, die für ein paar Minuten heißes Wasser hatten, danach wurde es wieder kalt. Ein paar Mädels haben es schließlich nicht mehr ausgehalten und sind in ein anderes Wohnheim gefahren, um dort zu duschen. Ich bin jetzt seit über zwei Wochen hier und habe erst drei Mal warm geduscht...

Aber genug des Meckerns. Es wird Zeit, die Hausaufgaben für Griechisch zu machen :-)

1 Kommentar:

  1. wieso gibt es in dem wohnheim kein warmes wasser und keine heizung (warum braucht man in griechenland eine heizung?!)
    oder hast du dich im land vertan und bist in meinem grandiosen wohnheim in helsinki gelandet? :)

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