Freitag, 8. Januar 2010

Erste Eindrücke

Ich habe es also tatsächlich nach Griechenland geschafft. Nach einem furchtbaren ersten Flug (der Pilot rief uns deutlich alarmiert dazu auf, den Sicherheitsgurt aufgrund der sich rapide verschlechterten Wetterlage wieder anzulegen - es rumpelte und wackelte nur alles, ich dachte, ich würde Griechenland niemals zu Gesicht bekommen...), aber einem umso angenehmeren zweiten Flug, stand ich endlich auf (festem) griechischem Boden.
Mein Flug von Hannover nach München hätte eigentlich pünktlich ankommen sollen, aber unten war man wohl nicht wirklich auf uns vorbereitet und Schneeberge versperrten uns den zugewiesenen Stellplatz, sodass eine ganze Armada von Räumungsfahrzeugen anrücken und erstmal annähernd 20 Minuten lang den Weg freischaufeln musste. Wer hatte aber nur eine halbe Stunde Zeit zum Umsteigen?? ICH! Schon voller Panik, wie man mich ja kennt ("Na super, ich verpasse den Flieger, ich hänge alleine in München, verpasse meine Verabredung und den Anfang vom Sprachkurs - großes Tennis.")... Aber es ist alles gut gegangen. Ich bin zum Gate gehetzt und saß rechtzeitig im Flieger. Im Endeffekt hätte ich mir auch noch eine Dreiviertelstunde Zeit lassen können, denn das Flugzeug nach Thessaloniki kam aufgrund eines Schneebergs, der ihm den Weg zur Enteisungsstation versperrt hat, nicht vom Fleck. (Ich vermutete ja schon, dass eben dieser Berg das Erzeugnis dessen war, was die wahnsinnig kompetenten Schneeschaufler für meinen Hannover-Flug weggeschaufelt haben - zumindest hätte mich das bei deren Organisationstalent nicht weiter gewundert.)
Ich saß nun also in meinem zweiten Flieger und dort lief alles ganz relaxt. Schon mal an einem frühen (zumindest über den Wolken) sonnigen Wintervormittag über die Alpen geflogen? Ich glaube, das gehört mit zu den schönsten Dingen, die ich je in meinem Leben gesehen habe; so atemberaubend, dass ich nicht mal daran gedacht habe, ein Foto zu machen ;-)

Und plötzlich waren wir gelandet, plötzlich hatte ich meinen Koffer in der Hand, plötzlich stand ich draußen, plötzlich saß ich im Taxi. Und diese Taxifahrt hat mich bereits einiges gelehrt:
1.) In Thessaloniki sind Straßenmarkierungen eher… Dekoration. Wenn man auf einer auf zwei Spuren angelegten Straße nicht voran kommt, dann macht man eben spontan eine weitere auf.
2.) Das bedeutendste Teil eines Autos mit griechischem Besitzer ist die Hupe. Es ist egal, wann man wo wie steht oder fährt (und sei es auch gesetzeskonform) - gehupt wird prinzipiell immer.
3.) Man weiß am Anfang nicht, was man von Thessaloniki halten soll. Da stehen Designer-Dekoläden neben zerfallenen Garagen mit angrenzender Mini-Tankstelle und Waschanlage, wobei diese so aussieht, als würde sie die Autos eher dreckiger als sauberer machen. Direkt an den Hauptstraßen Unmengen an modernsten Geschäften - im Hintergrund sieht man die viele Mehrfamilienhäuser übersäht mit Balkons und Markisen. Dreckig, laut – aber irgendwie auch wahnsinnig charmant!

Gerade einen Fuß über die Schwelle der Eingangstür vom Wohnheim gesetzt, kam auch schon die erste „Herausforderung“ auf mich zu (Helena wird sicherlich gleich grinsen :-)) - der scheinbar so berühmt-berüchtigte Elevator. Die Rezeption liegt im zweiten Stock, den Koffer die Treppen raufzubugsieren stellte sich als unmöglich heraus, also wagte ich mich zum ersten Mal an den Aufzug, der, so warnt ein Zettel an der Eingangstür, nicht mehr als drei Personen transportieren sollte, wenn man nicht Gefahr laufen will, stecken zu bleiben. Aber naja, ich kam heile in den zweiten Stock und wurde von der wahnsinnig netten und hilfsbereiten Dame im Sekretariat begrüßt, die mir gleich meinen Zimmerschlüssel, die Flurkarte und mein Bettzeug gegeben hat (Zimmernummer 602 im 6. Stock und ja, Betty, ich bin die sechs Stockwerke heute tatsächlich schon mehrmals gelaufen ;-)). Auf dem Zimmer dann das Unfassbare... ich sehe das Meer. Unglaublich... Heute wirkte es sicher noch nicht so imposant, wie es könnte, weil Wasser und Himmel die gleiche Farbe haben... Aber im späten Frühling ist das bestimmt einfach nur unglaublich schön!

Und jetzt sitze ich im Internetraum des Wohnheims und bin trotz zwei durchgemachter Tage natürlich immer noch nicht müde, weil das alles gerade viel zu viel neue Eindrücke auf einmal sind.
Ich werde mich also gleich mit meiner Kamera bewaffnen, versuchen, diese dreispurige Mörderstraße vor meiner Haustür zu überqueren, um dem Meer einmal Hallo zu sagen (und mir ein bisschen Verpflegung für heute Abend zu kaufen – wo auch immer. Aber das ist eine perfekte Möglichkeit, die Gegend einmal unsicher zu machen. Oder sich von der Gegend unsicher machen zu lassen – we’ll see (aber ich tendiere eher zu ersterem ;-))

Also, to cut a long story short: Ich bin gut angekommen, es fühlt sich richtig an, hier zu sein und ihr werdet von mir hören - und hoffentlich auch sehen!
(
Ich hab’ mich SO sehr über das Bild gefreut... Total süße Idee, vielen, vielen Dank! Es steht auf „meinem" Schreibtisch - meiner zumindest bis Montag, denn dann wird sich meine Zimmergenossin endlich mal bei mir blicken lassen und in unserem Zimmer gibt es leider nur einen Schreibtisch! :-)

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