Sonntag, 10. Januar 2010

Sightseeing II

Jetzt ist es nicht eimal 18 Uhr und ich bin vollkommen platt. Ich dachte ja, dass, wenn ich bis nachts um zwei unterwegs bin und mein nächstes Treffen für 13 Uhr ansetze, ich dann mehr als genug Zeit zum Ausschlafen haben würde. Pustekuchen! Die Wände in meinem Wohnheim scheinen aus Papier zu sein. Morgens um 8 Uhr kamen die ersten Erasmus-Studenten im Wohnheim an, polterten mit ihren Taschen durch die Gänge und, warum auch immer man das an einem Sonntagmorgen um 9 Uhr tut, die Leute sind aufgestanden und duschen gegangen. Obwohl der Duschraum am gegenüberliegenden Ende der Etage liegt, hört man alles: Gespräche, Wasserrauschen, Stiefelgeklapper, den Aufzug - und somit war die Nacht nach nur fünf Stunden Schlaf für mich auch schon wieder vorbei.

Ich habe mir den Vormittag also mit Zimmer aufräumen und aufs Meer starren vertrieben und mich dann auf den Weg zum weißen Turm gemacht, wo ich mich mit Nicolle treffen wollte. Johannes hatte sich doch noch dazu entschlossen, uns zu begleiten, und so sind wir zu dritt wieder durch die Stadt gestiefelt, immer noch auf der Suche nach cosy places, die auch ein armer Erasmus-Student sich leisten kann. Wir haben dann tatsächlich ein paar urige (im wahrsten Sinne des Wortes) underground bars gefunden, denen wir nächste Woche mal einen Besuch abstatten wollen.
Danach ging es weiter zu einigen archäologischen Bauten, beispielsweise Ruinen aus römischer Besatzungszeit wie das Hippodrom, das inzwischen zu einem Wohnraum für Straßenkatzen geworden ist. Ich nenne sie ruincats und musste leider feststellen, dass es von ihnen ähnlich viele gibt wie Straßenhunde. Ich finde das wirklich traurig... So nett die Griechen auch zu "ihresgleichen" und zu Touristen sein mögen - die Tierliebe ist leider bei weitem nicht so ausgeprägt. Das Ganze erinnert mich ein bisschen an gatti di roma, die Straßenkatzen Roms, die ich vor einigen Jahren kennengelernt habe... Da habe ich keine Worte für. Einfach nur schrecklich.
Im Anschluss daran statteten wir dann auch endlich der Kamara (dem Galerius-Triumphbogen) sowie der Rotonda einen Besuch ab. Uns wurde gesagt, dass dies neben dem weißen Turm die beliebtesten Treffpunkte für Studenten sind. Als wir auf dem anliegenden Platz auf einer Bank saßen, hat sich auch die Sonne wieder blicken lassen. Und wieder saßen wir da, geschützt vor dem frischen Seewind, ohne Jacke, mit Sonnenbrille und konnten unser Glück kaum fassen - gefühlte 20°C oder mehr! Das Foto sagt wohl alles ;-)

Nachdem T.J. zu uns gestoßen war und sich die Männer eine ordentliche Gyrostasche, wir Frauen einen Starbucks-Eiskaffee/-Kakao gegönnt hatten, sind wir runter zur Promenade geschlendert und haben einen kleinen Spaziergang gemacht, auf dem wir eines der (wie ich finde) originellsten und schönsten Kunstwerke (siehe Foto) betrachtet haben. Ich kannte das Arrangement ja schon, weil ich bisher jeden Tag mindestens zweimal daran vorbeigelaufen war, aber ich finde es jedes Mal wieder beeindruckend :-)
Da wir gerade eh auf dem Weg waren, habe ich den dreien bei der Gelegenheit gleich mal mein Wohnheimzimmer gezeigt und sie waren alle ganz neidisch auf die Größe, die Einrichtung, den Ausblick und die gute Infrastruktur (z.B. der Supermarkt schräg gegenüber) - und das alles im Durchschnitt 2€/Tag günstiger als ihre Zimmer (vielleicht sollte ich doch hier bleiben!?)

Jedenfalls war es wieder ein wunderschöner Tag. Meine Mitbewohnerin ist inzwischen auch angekommen, ihre Sachen liegen in unserem Zimmer. Gesehen habe ich sie allerdings noch nicht. Nachher treffe ich mich mit ein paar deutschen Mädels auf ihren Zimmern, um ein bisschen zu plaudern.
Morgen beginnt dann endlich der Sprachkurs. Ich bin schon sehr gespannt und hoffe, dass ich die school of modern greek language auf dem Campus morgen finde. Um 8:30 Uhr gehts los - ich werde berichten...

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